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 Buch-Rezension
 Edmund H. Broadbent - 2000 Jahre Gemeinde Jesu
Früherer Titel: "Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt"

Das erstmals 1965 auf deutsch unter dem Titel "Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt" erschienene Buch von Edmund Hamer Broadbent (englischer Titel: "The Pilgrim Church") ist zum Klassiker der "alternativen" Kirchengeschichte geworden und erfreut sich immer noch eines regen Interesses. Ich habe es aufgrund der geschichtlichen Erkenntnisse, die unser Pastor aus diesem Buch gezogen hat, erworben.

Es führt den Leser von der nachapostolischen Zeit der neutestamentlichen Gemeinde durch alle Jahrhunderte der Kirchengeschichte. Im Blick steht dabei jedoch nicht die institutionelle "Welt-"Kirche, sondern die "kleine Herde", eben die "Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt", die in der Welt stets ein Fremdkörper war und oft verfolgt wurde - es geht also um unsere geistlichen Vorfahren der entschiedenen Christenheit. Namen wie Polykarp, Bogo­milen, Hugenotten, Albigenser, Wycliff, Luther, Zinzendorf und andere werden lebendig und zeigen, daß die echte Gemeinde Jesu, meist außerhalb der etablierten Kirchen,
 Buch-Einband Edmund H. Broadbent: 2000 Jahre Gemeinde Jesu
immer existiert hat. Die Darstellungen zeigen jedoch auch die Irrungen und Gefahren, denen Gemeinde und Kirche immer wieder ausgesetzt waren, und wie sich Welt- und Kirchengeschichte und die Geschichte der echten Gemeinde Jesu in teilweise überraschender und in der Öffentlichkeit kaum bekannter Weise wechselseitig beeinflußten - mit weitreichenden Folgen.

Zur Sprache kommen u.a. die Lehrauseinandersetzungen in der frühen Kirche, die Korrumpierung der Kirche in der Zeit Konstantins des Großen, die Entfaltung geistlichen Basis-Lebens in Kleinasien und Armenien, das Wechselspiel der byzantinischen Herrscher zwischen Duldung und Verfolgung der nichtinstitutionellen Gemeinden, die Indien- und China-Mission in der vor­islamischen Zeit, wie ein verfälschtes Christentum den Nährboden für die islamische Expansion in Zentralasien lieferte, das päpstliche Wüten mit Kreuzzügen und Inquisition gegen die kleinen Gemeinschaften entschiedener Christen in vielen Ländern, die Verbote von Bibelübersetzungen in Volkes Sprache vor und von öffentlichen Ansprachen nichtklerikaler entschiedener Christen nach der Reformation, die Gegenreformation in Österreich, das Schicksal der französischen Hugenotten und vieles mehr.

Exemplarisch sei das Schicksal der bosnischen und südslawischen Bogomilen im hohen und späten Mittelalter herausgegriffen, deren Existenz auf die missionarische Wirksamkeit der kleinasiatischen Gemeinschaften entschiedener Christen zurückgeht. Diese sich in schlichten Wohnräumen um das Evangelium versammelnden "Gottesfreunde" (slaw. "Bogu mili" = "Freunde Gottes") wurden zu einer Bewegung, die große Teile des bosnischen Volks erfaßte und der institutionellen päpstlichen römischen Kirche ein Dorn im Auge war, weil sie Bosnien ihrem Einfluß entzog. Mit Hilfe des ungarischen Königs sowie mit wiederholten Kreuzzügen und Einführung der Inquisition wurden die Bogomilen mit Verfolgungswellen überzogen, um das bosnische Volk katholisch zu machen, selbst als das Osmanische Reich bereits direkt vor der Haustür stand. Da jeder neue Vorteil für die europäischen Mächte neue päpstliche Verfolgungswellen auslöste, holten die verzweifelten Bosnier schließlich die Türken zur Hilfe, und Bosnien wurde osmanisch. Die heute noch vorhandene muslimische Insel in Bosnien-Herzegowina und Albanien hat hier ihren geschichtlichen Ursprung.
Für uns als entschiedene Christen ist an dieser Stelle wichtig zu erkennen, daß wir nicht geistliche Nachfahren der Kreuzzügler sind, sondern derer, die in den Kreuzzügen verfolgt wurden.

Das Buch schließt mit einer m.E. überproportional breiten Darstellung der Brüderbewegung und einer brüdergemeindlich geprägten Betrachtung der Charakteristika neutestamentlicher Gemeinden ab, die natürlich der geistlichen Verortung des Autors in der Brüderbewegung geschuldet sind.

Der Wert des Buches besteht meines Erachtens vor allem in folgenden drei Dingen:
  1. Es regt ein neues Nachsinnen darüber an, was eigentlich Gemeinde nach dem Neuen Testament ist - und was nicht,
  2. Es schließt eine wesentliche gemeindegeschichtliche Informationslücke und deckt Aspekte aus der Geschichte der Gemeinde Jesu auf, wie sie wirklich waren,
  3. Es schult ganz wesentlich geistlich-strategisches Denken.
 Bezugsdaten
ISBN Verlag
978-3-89436-395-6 Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg
   
Erscheinungsform: Gebunden, 416 Seiten
Erscheinungsjahr: 2003 (6.Auflage)
Neupreis (2008): EUR 15,90


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