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Unter dem Begriff „Präterismus“ faßt man alle Lehren und Systeme der
Bibelauslegung zusammen, die die von Jesus in den Endzeitreden der Evangelien und in der
Offenbarung vorausgesagte, seiner Wiederkunft unmittelbar vorangehende Zeit der „großen
Bedrängnis“ oder „großen Trübsal“ mit ihren global-kosmischen
Erschütterungen und schweren weltweiten Gerichten als abgeschlossene Ereigniskette der
Vergangenheit (lat. Präteritum, daher „Präterismus“) betrachten.
Der extreme Präterismus sieht sogar die Wiederkunft Jesu als bereits geschehen an.
In dieser Variante trat der Präterismus bereits in der ersten Gemeinde in Thessalonich
auf und wurde von Paulus in 2. Thessalonicher 2 mit dem Hinweis auf die offenbarte Abfolge der
endzeitlichen Ereignisse entschieden zurückgewiesen.
Präterismus ist fast immer mit einer postmillennialistischen Sicht und Konzepten wie
Triumphaler Eschatologie, Christlichem Rekonstruktionismus (Dominion Theology, Imperialistischer
Dominionismus) oder der Lehre vom „Königreich Gottes jetzt“ (Kingdom Now)
vergesellschaftet. Dies
zeigt meiner Ansicht nach deutlich, daß der Präterismus praktisch nie als
eigenständiges, sich natürlich aus dem Bibeltext ergebendes eschatologisches
System angesteuert wird, sondern nur, weil ohne ihn eine biblische Validierung der genannten
Konzepte unmöglich wäre.
So benötigen auch Rodney Howard-Browne oder Gabriel Heymans als typische Vertreter einer
Triumphalen Eschatologie den Präterismus zur Rechtfertigung ihrer Sicht. Gabriel
Heymans lehrte 1995 Präterismus und Triumphale Eschatologie auf der Sommer-Europakonferenz
von „Livets Ord“ Uppsala (Ulf Ekman), bei der ich persönlich anwesend war.
Präteristische Sichtweisen findet man auch in einem ganz anderen Kontext,
nämlich in der „Missio Dei“-Sichtweise der Emergenten Bewegung, die den
Präterismus braucht, um damit das Gekommensein des vollendeten Reichs Gottes im Sinne eines
Sozialistischen Dominionismus (d.h. Christen verwirklichen das gekommene vollendete Reich Gottes
durch sozialistische Praktiken) zu propagieren. Hauptvertreter des aus dieser Motivation heraus
geborenen Präterismus ist der britische CAI-Theologe und Emergent-Church-Vordenker Andrew
Perriman, der sogar behauptet, daß wir in unserem Zeitalter bereits „off the biblical
map“ wären und deshalb eine „post-biblische“ Theologie fordert.
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