Ausformulierte Glaubensbekenntnisse versuchen, den Glauben an Jesus in seinen wesentlichen Inhalten in
möglichst kurzer oder einprägsamer Form und dabei gleichzeitig möglichst präzise
in einer Weise darzustellen, die man sich gut merken und einprägen kann, um sie an andere Menschen
weiterzugeben.
Ihre Entstehung war von Anfang an verbunden mit und oft auch veranlaßt durch die Notwendigkeit,
Abgrenzungen gegenüber aufgekommenen Irrlehren und nichtchristlichen Weltanschauungen vornehmen und
aktuelle Fehlinterpretationen und Mißverständnisse klarstellen zu müssen. Ausformulierte
Glaubensbekenntnisse sind also immer auch Dokumente der Dogmatik und Apologetik. In der jeweiligen
besonderen Ausführlichkeit der Darstellung bestimmter dogmatischer Aussagen spiegelt sich
die Auseinandersetzung der Gemeinde Jesu mit den am stärksten verbreiteten Irrlehren und
Mißverständnissen der jeweiligen Entstehungszeit wider.
Beispielsweise ist das nizänische Glaubensbekenntnis vor allem eine Antwort auf die damals verbreitete
Irrlehre des Arianismus, der die göttliche Natur Jesu und Seine Wesenseinheit mit dem Vater nicht
anerkannte. Entsprechend ist z.B. die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz auch Reaktion auf das
Aufkommen einer "aufgeklärten" Theologie, die die Realität und Historizität der
Jungfrauengeburt, der Gottessohnschaft und der leiblichen Auferstehung Jesu verneint und nicht an die
physische und für alle sichtbare Wiederkunft Jesu glaubt, sondern die vorstehenden Begriffe als
"rein symbolisch" uminterpretiert (beispielsweise durch die Formulierung Rudolf Bultmanns (1884-1976),
Jesus sei "in die Verkündigung (in das 'Kerygma') hinein auferstanden").
Das bloße Nach- oder Mitsprechen solcher Glaubensbekenntnisse macht einen Menschen nicht zu einem
Christen - das geschieht nur, wenn ein Mensch sich von ganzem Herzen mit seinem ganzen Leben Jesus
Christus unterordnet und eine intensive Beziehung mit Ihm eingeht. Das Nach- oder Mitsprechen dieser
Glaubensbekenntnisse ist daher nur als Proklamation eines bereits vorhandenen und gelebten persönlichen
Glaubens an Jesus Christus sinnvoll.
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