Zeitgeschehen geistlich gesehen
 Schule in der Krise

Der Niedergang bahnte sich Anfang der 80er-Jahre an

Gott hat mir die Gnade geschenkt, daß ich meine schulische Laufbahn schon 1985 abschließen konnte und so von dem sich abzeichnenden pädagogischen Niedergang verschont geblieben bin. Ich kann immer noch sagen, daß ich eine grundsolide schulische Ausbildung genießen durfte - übrigens ohne Orientierungsstufe, denn die wurde in Niedersachsen erst 1978 eingeführt. Während ich mich auf das Abitur vorbereitete, nahmen die Klagen der Lehrer über die sich verschlechternde Situation in den unteren Klassen bereits deutlich zu, da es nun dauerhaft nicht mehr gelang, in Schlüsselfächern das bis dato für die 5. und 6. Klasse vorgesehene übliche und bis dahin auch immer wieder gemeisterte Stoffpensum zu bewältigen, so daß die 7. Klassen am Gymnasium bereits 1985 einen Rückstand von z.T. einem Halbjahr gegenüber dem Lehrplan aufwiesen.

Verachtung und Geringschätzung soliden Faktenwissens

Solides Faktenwissen (und Grundfertigkeiten) ist und bleibt die Basis jeden schulischen, beruflichen und lebenspraktischen Erfolgs. In der heutigen Zeit wird der Fähigkeit zu vernetztem, globalem Denken und Teamarbeit eine große Bedeutung beigemessen, und das ist bis zu einem gewissen Grade auch nicht verkehrt. Fatal ist jedoch, dies gegen die Notwendigkeit, sich ein solides Faktenwissen anzueignen, auszuspielen. Ohne ein solides Faktenwissen fehlt die Fähigkeit zur qualifizierten Beurteilung von Situationen und Sachverhalten. Solides Faktenwissen und Qualität war die Grundlage für den Erfolg des Labels "Made in Germany" - diese Grundlage ist mittlerweile schon nahezu verspielt worden.

Die qualitative Durchführung von Projekten im Kontext des realen Wirtschaftslebens krankt heute nicht so sehr an der mangelnden Fähigkeit zur Teamarbeit (obwohl das natürlich auch vorkommt), sondern immer mehr an der mangelnden Einbindung von fachlicher, auf solidem Faktenwissen basierender Expertise. Entscheider lassen sich dazu verleiten, Sachverhalte zu beurteilen, von denen sie keine Ahnung haben, aber sie zu haben meinen (anstatt dann auf den Rat von Experten ihrer eigenen Abteilung zu hören). Zu meinen, daß solides Faktenwissen etwa durch die Qualität und den Leistungsumfang heutiger Computerprogramme/Software ("Rechtschreibung? Dafür habe ich MS Office!") und das Informationsangebot im WWW entbehrlich geworden ist, ist ein grandioser Irrtum. Es sind großartige Hilfsmittel, die die eigene Expertise ergänzen, jedoch nicht ersetzen können. Genausowenig, wie man früher sich auf die Aussage "Das habe ich aus Büchern" zurückziehen konnte, kann man es heute auf die Aussage "Das habe ich aus dem Internet" oder "das rechnet die Software so".

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