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Seit etwa 1990 ist vornehmlich in westeuropäischen Gesellschaften (hier vor allem etwa seit der Umwandlung
der "Europäischen Gemeinschaft" in die "Europäische Union", die am 01.11.1993
vollzogen wurde), einigen großen Konzernen, aber auch in einigen großen Weltzentren sowie in
Teilen der USA ein
gesellschaftlicher Umgestaltungsprozeß in Gang gekommen, in dessen Zuge zunehmend ein Gesellschaftskonzept
und gesellschaftliches Miteinander etabliert wird, das treffend durch die Begriffe "Neue Toleranz" und
"Political Correctness" charakterisiert werden kann.
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Wo sich Liberalismus, Humanismus und Aufklärung noch bis in die 80er-Jahre hinein einem Wettstreit und
Wettbewerb verschiedener Weltanschauungen im ursprünglichen Sinne von Toleranz stellten, in dem jede
Seite ihren Standpunkt werbend darstellen konnte und Anhänger der anderen Seiten durch redliches
Überzeugen zu gewinnen versuchen konnte, versucht die "neue Toleranz" nun verbindlich
festzuschreiben, daß alle Weltanschauungen einander als "gleich wahr" oder als unterschiedliche
Ausschnitte einer "höheren, gemeinsamen Wahrheit" zu akzeptieren haben, wobei sie sich damit
(von vielen unbemerkt) selbst und das System der Aufklärung, des Liberalismus und des Humanismus als
die führende, maßgebliche Weltanschauung einsetzt und beansprucht, für den exklusiven Besitz
der Deutungshoheit des Weltgeschehens legitimiert zu sein (Das Primat der Aufklärung wird noch in einem
eigenen Beitrag behandelt werden). Die "neue Toleranz" erhebt damit nicht nur einen Absolutheitsanspruch,
sondern versucht ferner, in Gestalt eines aggressiven Säkularismus jeden zur verbindlichen Anerkennung
desselben und zur Befolgung ihres Wertesystems und ihrer politischen Dogmen zu zwingen. Sie kommt daher in
Konflikt mit dem Absolutheitsanspruch Jesu Christi und dessen Lehre, wobei Jesus aber im Unterschied zur
"neuen Toleranz" niemanden zur Anerkennung seiner Herrschaft zwingt (bevor Er in Macht und
Herrlichkeit wiederkommt und sich sowieso alle Knie beugen müssen) - vielmehr hat Er Seine Jünger
beauftragt, Menschen vom Reich Gottes zu überzeugen und dadurch für Ihn zu gewinnen.
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"Political Correctness" bezeichnet das im Sinne der "Neuen Toleranz" geprägte
kollektive Gewissen sowie die Summe aller Maßnahmen zur Durchsetzung desselben einschließlich
der neuen Tabus, der "ungeschriebenen Gesetze" (deren Übertretung oft eine
eigentümliche Empörung hervorruft), des Vokabulars und der Sprachregelungen, die dazu
geeignet sind, die Wirklichkeit im Sinne der "neuen Toleranz" modifiziert darzustellen, neu zu
schreiben oder zu verhüllen. Im Stile einer "Kulturrevolution" wird Wahrheit der Durchsetzung
gesellschaftlicher Ziele geopfert. Ohne echte Wahrheit kann es jedoch kein Licht (Johannes 1,9; Johannes 3,19-21),
keine Transparenz, keine Offenheit, kein echtes Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen und keine
wirkliche Freiheit (Johannes 8,32; die aufgeführten Stellen beziehen sich auf Jesus als die Wahrheit
und machen die Zusammenhänge zwischen Wahrheit, Freiheit und Transparenz deutlich) geben. Mißtrauen,
Manipulation, "Gehirnweichspülung" und Versklavung des Denkens sind die Folgen.
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Die "neue Toleranz" versucht, in Fortführung des Denkens von Aufklärung, Liberalismus
und Humanismus die Auffassung, daß alle Weltanschauungen einander als "gleich wahr" oder als
"unterschiedliche Ausschnitte einer höheren, gemeinsamen Wahrheit" zu akzeptieren haben, u.a.
deshalb verbindlich festzuschreiben, weil sie fälschlicherweise glaubt, daß die
volle, uneingeschränkte aktive inhaltliche Zustimmung zu Lebensstil und Grundüberzeugungen eines
Menschen zwingend notwendig sei, um diesen zu akzeptieren, und deshalb ein friedliches Zusammenleben
nur möglich sei, wenn jeder in seinem Lebensstil und seinen Grundüberzeugungen bestätigt
wird. Teilweise scheint sogar die Auffassung zu existieren, daß Lebensstil und Grundüberzeugungen
einer Person genauso unveränderbar sind wie ihre Erbanlagen und untrennbar mit ihrem Charakter
zusammenhängen. Dieses falsche Menschenbild hat Folgen: Ein kritisches Hinterfragen von Lebensstilen
und Grundüberzeugungen wird als genauso unmöglich, absurd und "schlimm" angesehen wie
z.B. die Nichtakzeptanz der ethnischen Zugehörigkeit einer Person (und damit der Person als Ganzes, weil
sie ja ihre ethnische Zugehörigkeit nicht ändern kann) und entsprechend als "Ausgrenzung"
gebrandmarkt.
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Sachliche Kritik am Lebensstil eines Menschen und an seinen Grundüberzeugungen oder ein Versuch,
ihn in diesen Bereichen von anderen Auffassungen zu überzeugen, wird deshalb irrigerweise als Ablehnung,
Herabwürdigung oder gar Verächtlichmachung der Person gedeutet, ist daher unerwünscht,
"political incorrect" und wird z.T. durch sogenannte "Antidiskriminierungsgesetze"
oder "Antibekehrungsgesetze" sogar verboten und kriminalisiert.
Noch nicht verboten, aber ebenso unerwünscht ist es, wenn jemand die Wahrheit über die Probleme der
Gesellschaft der "neuen Toleranz", z.B. über den demographischen Niedergang und das
Aufziehen von Kindern, sagt, die schöne Maske der "Political Correctness" abstreift,
die Situation geistlich analysiert und die Lösungen Gottes dagegenstellt. Wer dies tut, muß damit
rechnen, als "voreingenommen" und "nicht ernst zu nehmen" bezeichnet oder als
Schlichtdenker, der "in einer immer komplexer werdenden Welt ein stark vereinfachendes Weltbild
braucht", diskreditiert zu werden. Die "neue Toleranz" suggeriert, daß die Lösungen
komplex sein müssen, weil sie eines, und sei die Lage noch so aussichtslos, unter allen Umständen
verhindern möchte: Die Rückkehr zu "althergebrachten", womöglich noch biblisch
begründeten Werten und Grundüberzeugungen. Wie sagte Jeremia treffend:
"Aber sie wollten nicht hören noch ihre Ohren mir [=dem HERRN Zebaoth] zukehren, sondern wandelten
nach ihrem eigenen Rat und nach ihrem verstockten und bösen Herzen [...] Die Wahrheit ist dahin und
ausgerottet aus ihrem Munde." (Jeremia 7,24.28)
Da sie den Rat des Herrn, des Meisters des Lebens, verworfen haben, bleibt ihnen letztlich nur die Ratlosigkeit.
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Toleranz im ursprünglichen Sinne bedeutet das Ertragen und Erdulden widriger Umstände, auch von
Menschen, die einem nicht liegen oder Schwierigkeiten bereiten ("Die Liebe erträgt alles",
1.Korinther 13,7), andere Sichtweisen anzuhören, Menschen wertzuschätzen, zu respektieren und zu
akzeptieren, ohne ihre Überzeugungen zu unterstützen und zu teilen, jedem das Recht auf seine eigene
Meinung und Lebensführung zuzugestehen, auch wenn man dann ggf. klar dagegen Stellung beziehen muß,
mit jedem Frieden zu halten, soweit es an uns liegt (Römer 12,18). Diese Personentoleranz liegt klar auf
der Linie Gottes, dessen "heilsame Gnade" in Jesus allen Menschen erschienen ist (Titus 2,11) und
angeboten wird.
"Neue Toleranz" und "Political Correctness" sind hingegen völlig unvereinbar mit einem
gelebten Glauben, einer Hingabe an Jesus Christus, in dem allein das Heil (Apostelgeschichte 4,12) und
die Wahrheit ist (Johannes 14,6). Entschiedene Christen werden in der westlichen Welt, namentlich in Europa,
im öffentlichen Leben, im Arbeitsleben für das Festhalten am Glauben an Jesus und seinen Konsequenzen
in Zukunft einen deutlich höheren Preis als bisher bezahlen müssen - einige Pastoren in Frankreich,
in den Niederlanden und in Schweden tun dies bereits heute. In der Offenbarung an Johannes heißt es:
"Wenn jemand ins Gefängnis soll, dann wird er ins Gefängnis kommen [...]
Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen!" (Offenbarung 13,10).
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