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Ein Interview mit Pastor Ingolf Ellßel, Präses des BFP (Bund freikirchlicher
Pfingstgemeinden KdöR) und Initiator der Pfingst-Europa-Konferenz (PEC) Berlin 2003.
Das Interview führte Christina Oertel.
Christen der pfingstlich-charismatischen Freikirchen aus Deutschland und
einigen europäischen Ländern kamen über Pfingsten zur PEC 2003 nach
Berlin, um für die Menschen der Stadt und Deutschlands zu beten. Die
dramatische Entwicklung in Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft führen die
Christen auf den Verfall christlicher Werte zurück, auf diesen Zusammenhang
wollten sie aufmerksam machen. Über 30 weltweit arbeitende christliche
Organisationen und Hilfswerke waren Träger der Veranstaltung.
Die Freikirchen in Deutschland sind von überschaubarer Größe. Warum fühlen
gerade sie sich berufen, eine Offensive gegen den Wertverfall zu starten?
Verantwortung übernehmen ist keine Frage der Größe. David war auch noch
jugendlich als er Goliath besiegte. Aber tatsächlich sind die christlichen
Freikirchen gar nicht so unbedeutend. Pfingstlich-charismatische
Freikirchen sind mit derzeit über 550 Mio. Mitgliedern weltweit die am
schnellsten wachsenden christlichen Kirchen.
Warum gibt es die PEC? Warum machen Sie nicht mit beim Ökumenischen
Kirchentag?
Die PEC ist seit über 30 Jahren eine Konferenz der europäischen
Pfingstbewegung. In Berlin hat sie erstmalig ein stark missionarisches
Konzept mit überkonfessioneller Beteiligung.
Was den Kirchentag betrifft: Wir sind als Bewegung nicht offiziell zur
Mitarbeit angefragt worden. Doch unsere lokalen Gemeinden aus Berlin sind
voll integriert. Auch wurde ich als Vertreter unserer Bewegung im Rahmen
des ÖKT in den Versöhnungsgottesdienst am 31. Mai in der Berliner
Südsternkirche eingebunden.
Was ist das Ziel der PEC in Berlin?
Auch unter den Christen hat es in den vergangenen Jahren in Europa einen
erstaunlichen Einigungsprozess gegeben. Unbeachtet von Medien und
Öffentlichkeit bildete sich ein starkes Netzwerk. Diese Einheit wollen wir
demonstrieren und uns selber daran freuen. Das ist das eine Ziel.
Aber es gibt ein noch wichtigeres Ziel: Als Christen sehen wir eine Gefahr
auf unsere Gesellschaft zukommen. Wir Deutschen sind im Moment dabei, den
Segen Gottes für unser Land zu verspielen. Taten haben Folgen. Wir alle
können die Auswirkungen bereits sehen, dennoch werden die Zusammenhänge von
Saat und Ernte nicht erkannt. Wir wollen einen Appell an die Menschen
richten, doch wieder zurück zu kommen auf die Grundlage unseres
Wohlergehens - Jesus Christus. Ich liebe dieses Land und es tut mir weh zu
sehen, dass wieder etwas abläuft, bei dem alle wie unbeteiligt daneben
stehen.
Inwiefern verspielt Deutschland den Segen?
Es läuft auf vielen Ebenen schief. Um einige zu nennen: Auf fast allen
TV-Kanälen lernen unsere Kinder, wie sie unverschämt mit ihren Eltern
umgehen. Die Bibel lehrt, dass es nur den Menschen im Leben gut gehen wird,
die ihre Eltern ehren. Brutalste Gewalt wird unseren Jugendlichen als
"action" verkauft. Eine Zurschaustellung von perverser Sexualität und
Drogenkonsum wird als ein "Fest der Freude" verkündet. Spitzengremien der
Gesellschaft, die beispielhaft vorangehen sollten, treten Hemmschwellen
nieder, so dass der moralische Zerfall ins Grenzenlose geht. Leider könnte
man die Aufzählung weiter fortführen.
Welche Haltung haben Sie zu Abtreibung?
Die Abtreibung ist Mord im Mutterleib.
Die Zahl der geschiedenen Ehen nimmt ständig zu. Man arrangiert sich in
außerehelichen Lebensgemeinschaften. Sollte man die Institution Ehe nicht
durch aktuellere Formen von Lebensgemeinschaften ersetzen?
Jeder Ehepartner wünscht sich Treue in der Ehe. Treuebruch ist wie ein
schwerwiegender Lebensunfall, verbunden mit unsagbaren Seelenschmerzen. Der
Persönlichkeitsschaden bei eventuell betroffenen Scheidungskindern ist
erheblich.
Um solch einem Trauma aus dem Weg zu gehen, entscheiden sich tatsächlich
viele gegen Ehe und Kinder. Doch die Auflösung der Familie ist Beginn vom
Untergang eines Volkes. Zugleich existiert aber der tiefe Wunsch nach einer
einzigartigen Liebe mit Ehebund und Kindern. Der Wert der Treue sollte
unserer Bevölkerung wieder bewusstgemacht werden. Es kann nicht angehen,
dass wir durch Treuebruch zunehmend verrohen und als Gefühlsegoisten auf
Kosten des Seelenleids anderer leben.
Unser Bundeskanzler Gerhard Schröder hat bei seiner Vereidigung explizit
auf den Zusatz "so wahr mir Gott helfe" verzichtet. Ihre Meinung dazu?
Mir fällt dazu eine Aussage von König Salomo aus Sprüche 11,11 ein: "Ein
Mann, der Gott nicht ehrt, richtet eine(n) Stadt/Staat zugrunde."
Gottlosigkeit war nie ein Vorteil für den Menschen. Ich bete für unseren
Kanzler, dass er die Gnade des christlichen Glaubens findet.
Sind die Freikirchen im Ethik-Rat des Bundestages vertreten?
Leider nein.
Welche Haltung nehmen Sie zu dem Themen Klonen, Gentechnik und Präimplantationsdiagnostik
(PID) ein?
Die genannten Wissenschaftsthemen sind zunächst nicht
verwerflich. Es liegt an der Neugier und am Forschungsdrang des Menschen,
das Leben zu begreifen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden aber in der
Umsetzung gefährlich, wenn der Mensch sein eigener Gott ist und sich in
seinem Handeln nicht vor Gott verantwortlich weiß.
Das Bewahren der Schöpfung ist der Bibel ein hohes Gut. Müßte nicht jeder
Christ auch ein Grüner sein?
Was die Achtung und Bewahrung der Natur betrifft, ja. Nur sollte man dabei
nicht vergessen, dass die Beziehung zur Schöpfung nicht die Beziehung zum
Schöpfer verdrängt.
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