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Zu den hervorstechendsten Merkmalen der gegenwärtigen Zeit gehört die Tatsache,
daß in vielen Teilen Kontinentaleuropas nach dem Wegfall der kommunistischen Bedrohung eine zuvor latent
vorhandene antiamerikanische Haltung nun immer offener zutagetritt - u.a. in Gestalt von starken
Ressentiments, Vorurteilen, schäbigen Witzen und unwahren Behauptungen, z.T. jenseits jeder
Nachvollziehbarkeit, die sich vielfach gegen die relativ starke Verankerung des christlichen
Glaubens im öffentlichen Leben in den USA richten. Hier zeigt sich, daß der
Antiamerikanismus in Kontinentaleuropa eine geistliche Komponente hat, die sich aus dem Gegensatz zwischen
europäischer Aufklärung und entschiedenem Christsein speist. Nicht ohne Grund verschärft
sich der Antiamerikanismus mit der beschleunigten Abkehr Kontinentaleuropas von seiner stärker christlich
geprägten Vergangenheit, und nicht ohne Grund zeigen sowohl Kommunismus als auch Nationalsozialismus,
beides Weltanschauungen, die sich auf dem Boden der europäischen Aufklärung entwickelten,
deutlich antiamerikanische Züge.
Die Weichenstellung für die unterschiedliche geistliche Entwicklung Nordamerikas und Kontinentaleuropas
geschah bereits im 17. und 18. Jahrhundert. Nach dem gesegneten Zeitalter der Reformation in Europa, in dem
u.a. Martin Luther und Jean Calvin zentrale Wahrheiten der Bibel wiederentdeckt haben, begann mit der
Gegenreformation eine u.a. durch den Grundsatz "cuius regio, eius religio" charakterisierte
Epoche geringer Glaubensfreiheit, in der in vielen Ländern Europas entschiedene (protestantische) Christen
verfolgt wurden und vor allem von den britischen Inseln z.T. nach Nordamerika übersiedelten. Während
dort in dem Bedürfnis, Gemeinde nach dem Neuen Testament leben zu wollen, sich das reformatorische Erbe
fortsetzte, begann in Europa nach dem 30-jährigen Krieg, v.a. aber etwa ab 1750, mit der "Aufklärung"
eine breite Abkehr von den in der Reformation wiederentdeckten biblischen Wahrheiten zugunsten eines Glaubens an die
menschliche Vernunft und an das Gute im Menschen. Jedoch bekam in einer Gegenbewegung hierzu in der ersten
Hälfte des 18. Jahrhunderts, also zu Lebzeiten Johann Sebastian Bachs ("Jesus bleibet meine Freude"!)
und Georg Friedrich Händels, das reformatorische Erbe v.a. im Pietismus unter dem Wirken von August Hermann
Francke und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf noch einmal größere Bedeutung in Kontinentaleuropa.
Während diese Bewegung unter großem Segen Großbritannien (Großevangelisationen George
Whitefields, Entstehung der methodistischen Freikirche) und Nordamerika erfaßte und sich dort fortsetzte,
kam es in Kontinentaleuropa mit dem Lebensende Zinzendorfs und auch Bachs zu einer deutlichen geistlichen
Zäsur. Mit Gotthold Ephraim Lessings "ewigem Evangelium",
Immanuel Kants "Kritik der reinen Vernunft" sowie dem ideologischen Unterbau der französischen
Revolution setzte sich nun in breitem Maße und bis heute andauernd nichtchristliches Gedankengut in
Kontinentaleuropa durch.
Dies zeigt deutlich, daß sich nicht so sehr die USA von ihren europäischen Ursprüngen entfernt haben,
wie einige immer wieder behaupten, sondern daß sich vielmehr Kontinentaleuropa - und gerade auch Deutschland,
das Ursprungsland der Reformation - von seiner stärker christlich geprägten Vergangenheit abgewandt
hat, die mit solchen Namen wie Luther, Calvin, Bach, Zinzendorf und Francke verbunden ist, und sich weitgehend
dem hochgradig nichtchristlichen Gedankengut von Lessing, Goethe, Voltaire, Kant, Nietzsche, Huxley, Adorno,
Camus und Sartre unterworfen hat.
Dieses Gedankengut faßte im 19. und 20. Jahrhundert auch in Nordamerika Fuß,
u.a. durch die anhaltende Einwanderung von Europäern nach Nordamerika, es erlang jedoch nur in bestimmten
Gebieten Dominanz. Geographisch ist dieses Gedankengut heute vor allem im Nordosten (New York), z.T. an der
Westküste sowie in Ballungsräumen anzutreffen, während der gesellschaftliche Einfluß
entschiedenen Christseins vor allem in den Staaten des Mittelwestens (Heartland) und des Südens (sog. Bible Belt)
besonders stark ist, aber auch sonst erheblich ist.
Bei statistischen Erhebungen hinsichtlich der weltanschaulichen Ausrichtung wie auch bei der hier
durchgeführten grundsätzlichen Analyse ist allerdings zu beachten, daß
nicht unbedingt jeder ein "born-again Christian" ist, der sich als solcher bezeichnet, und die
Qualität einer Lebensentscheidung für Jesus Christus durchaus zu hinterfragen ist, einmal, weil
die Bezeichnung "born-again Christian" in den USA - im Gegensatz zu Europa - gesellschaftliches
Ansehen impliziert, zum Zweiten, weil die kulturelle Prägung eines solchen Umfeldes ein Ersatz für
die notwendige lebendige Beziehung zu Jesus werden kann (d.h. nach außen christlich-konservative
Überzeugungen vertreten werden, ohne jedoch innerlich mit Jesus verbunden zu sein), und zum Dritten
wegen der mittlerweile drastisch hochgeschnellten Scheidungszahlen im Bible Belt.
Dennoch läßt sich feststellen, daß entschiedenes Christsein und das reformatorisch-pietistische
Erbe heutzutage Nordamerika um ein Vielfaches stärker prägen als Kontinentaleuropa, wie die nachstehende
geistliche Charakterisierung Kontinentaleuropas und Nordamerikas zeigt, die, um die wesentlichen Unterschiede
herauszustellen, zugegebenermaßen plakativ ist und nicht die vorhandenen Differenzierungen innerhalb der
Kontinente, v.a. innerhalb Nordamerikas, widerspiegelt.
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| Kontinentaleuropa |
Nordamerika |
| Ablehnung der wörtlichen
Interpretation der Bibel |
Bejahung der wörtlichen
Interpretation der Bibel |
| Humanismus, Aufklärung, Political Correctness |
Fortleben des reformatorischen und
pietistischen Erbes aus Europa, Sammelstätte von aus Glaubensgründen in Europa
Verfolgten |
| Laizismus, Säkularismus,
Glaube ist angeblich Privatsache und Ursache von Kriegen |
Glaube an Jesus als Grundlage
politischer Überzeugungen gesellschaftlich geachtet |
Frankreich bedeutendste
nichtevangelisierte Nation (<0,5%) im westlichen Europa Deutschland: ca. 1,5% entschiedene
Christen |
USA unter den bedeutenden
Industrienationen diejenige mit den prozentual (ca. 19%) und
absolut meisten entschiedenen Christen |
| Französische
Staatsorgane behindern christliche Missionsarbeit und betrachten sie als
US-Unterwanderung (Picard-Gesetz, Observierung christlicher Leiter) |
USA sind Sitz zahlreicher
bedeutender christlicher Missionswerke, Verlage, Plattenlabels |
| Antiisraelische
Grundhaltung |
Proisraelische
Grundhaltung |
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Wie gesagt, was die obige Gegenüberstellung so nicht wiedergibt, ist die Tatsache, daß auch
der aus der europäischen Aufklärung entspringende säkular-humanistische Liberalismus-Pluralismus
eine große Anhängerschaft in den USA, namentlich im Nordosten, hat.
Damit, mit "diesem Amerika", hat der in Europa vorherrschende säkular-humanistische Liberalismus
keine Probleme - er reibt sich vielmehr an dem "anderen Amerika", das in der obigen Tabelle
beschrieben wird. Daran zeigt sich deutlich, daß der "Antiamerikanismus" eigentlich gar nicht so
sehr ein Antiamerikanismus ist, sondern in einem ganz wesentlichen Maße eine Gegnerschaft zum lebendigen,
entschiedenen Christsein, seiner gesellschaftlichen Relevanz und der mit ihm verbundenen Ausbreitung
christlich-konservativer Werte darstellt.
In Kontinentaleuropa ist der liberalistisch-pluralistische, säkularistisch-humanistische Glaube an die
Vernunft nicht bereit, sich dem Wettbewerb der Weltanschauungen zu stellen, sondern versucht ganz bewußt,
entschiedene Christen mit ihren Positionen nicht ernst zu nehmen, indem er sie als "dumm",
"schlichtdenkerisch" und "gefährlich" darstellt (während er in völliger Verkennung
der Fakten ein aufklärerisch-liberales Bild vom Islam zeichnet, das als den "währen Islam"
hinstellt, und in seiner Vermessenheit glaubt, kraft seiner aufklärerischen Anstrengungen den Glauben
der Islamisten schon irgendwann in dieses Bild umgestalten zu können).
Ja, so sehr verteidigt er sein Primat gegenüber dem entschiedenen Christsein, daß er bereit ist,
sich sehr merkwürdiger Bundesgenossen zu bedienen, z.B. eines
Autors wie Michael Moore, der nachweislich wiederholt entscheidende Fakten gefälscht hat, um
seine Ideologie und seine Sicht der Dinge aufrechterhalten zu können.
Einige europäische Politiker beeilten sich in den Tagen nach der Präsidentschaftswahl
in den USA 2004 zu versichern, daß Europa und die USA "gemeinsame Werte und Grundüberzeugungen"
hätten, ohne dies jedoch näher auszuführen - das dürfte eher eine pluralistische
"Konsens-Umarmung" denn die Wahrheit gewesen sein (Bundespräsident Horst Köhler hofft
hingegen wohl wirklich, daß dies zutreffend ist). Zwischen entschiedenem Christsein und dem
säkular-humanistischen Liberalismus-Pluralismus jedenfalls dürfte die Schnittmenge der Werte und
Grundüberzeugungen eher überschaubar sein. Ein Vorschlag des SPD-Politikers Karsten Voigt zielte darauf
ab, Theologen aus dem "Mutterland der Reformation" (wobei damit wohl die überwiegend
liberalistisch-pluralistisch orientierten Theologen an deutschen Universitäten und in der EKD gemeint sind, die
in der Regel keine Lebensübergabe an Jesus Christus vollzogen haben) mit den entschiedenen Christen aus dem
Heartland und dem Bible Belt der USA zusammenzubringen. Ein interessanter Vorschlag. Ein schöner Gedanke, wenn
die Umsetzung dazu führen würde, daß die liberalistisch-pluralistische Hybris gegenüber
amerikanischen und auch deutschen entschiedenen Christen zusammenbricht und der Anbetung Jesu, des
Herrn aller Herrn und Königs aller Könige, Platz macht...
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