Lehre
 Aufbauender Sprachgebrauch als Element eines geheiligten Lebensstils
Die Qualität unserer Beziehung zu Gott drückt sich auch in der Art und dem Stil aus, der unser Sprechen und Reden durchzieht. Zur neuen Gemeinschaft mit Gott wiedergeboren, wünschen wir uns selbst, Instrumente der Liebe Gottes gegenüber anderen zu sein. was in einem ganz erheblichen Maße durch unser Reden geschieht. Wie sich diese Bestimmung auf unseren Sprachgebrauch auswirkt, ist Gegenstand mehrerer Bibelstellen, in denen Gott diesen Aspekt unseres Lebensstils thematisiert.

 Als Stellvertreter Jesu sein Wesen sichtbar machen
Ein in der Bibel immer wiederkehrender Grundgedanke unseres Herrn ist, daß wir als diejenigen, die zu ihm gehören, Teilhaber seines Reichs (Lukas 12,32) und seiner Gedanken (Johannes 15,15) sind und aufgrunddessen seine Repräsentanten in dieser Weltzeit, eben "Botschafter an Christi Statt" (2. Korinther 5,20). Wir haben das königliche Vorrecht, sein Wesen und sein Reich zu demonstrieren. Es bedeutet für uns auch, daß wir uns mit seinem Handeln, insbesondere auch mit seinem Schöpfer-Handeln, identifizieren (und es wie die Schrift gutheißen (1. Mose 1,31a)). Neben der Liebe Gottes zu uns selbst, die er uns in Jesus Christus und seinem Werk der Erlösung gibt, ist dies die zweite Hauptquelle unserer Liebe zu allen Menschen.

 Erniedrigung anderer Menschen ist Lästerung gegen den Schöpfer
Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde (1. Mose 1,27) und hat ihm damit eine unveräußerliche Würde gegeben. Menschen sind die Geschöpfe, mit denen Gott sich besonders identifiziert und denen seine Liebe gilt, was nicht zuletzt in der Tatsache zum Ausdruck kommt, daß sein geliebter Sohn Jesus Mensch wurde. Aus diesem Grund wertet Gott erniedrigende Handlungen gegen Menschen als Lästerung seiner selbst (Sprüche 14,31a), etwa Morde und Gewalttaten aus niederen Beweggründen oder aus einer verächtlichen Grundhaltung heraus wie z.B. das brutale Zusammenschlagen eines Obdachlosen durch eine Gruppe von Schlägern oder das "Ärgern" von Behinderten (3. Mose 19,14.16b).

Nach Jesu Worten beginnt das Töten nicht erst mit einer vor einem solchen Hintergrund vollzogenen Tat, sondern bereits mit erniedrigenden Gedanken und ausgesprochenen Beschimpfungen und Schmähungen gegen andere Menschen:

"Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; [...]
Ich aber sage euch: [...] wer [aber] zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig." (Matthäus 5,21.22)

Dabei ist völlig unerheblich, ob der Betreffende direkt angeredet wird ("Du A...!") oder ob über ihn gesprochen wird ("Dieser A...").

 Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über - Lobpreis Gottes und Gebrauch von Fluchworten gehören nicht zusammen
Der Gebrauch solcher Fluchworte läßt sich mit dem Lobpreis Gottes nicht vereinbaren und steht für erlöste Gotteskinder im Widerspruch zu ihrem Sein in Christus, wie Jakobus feststellte:

"Mit ihr [der Zunge] loben wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes gemacht sind. Aus einem Munde kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein, liebe Brüder. Läßt auch die Quelle aus einem Loch süßes und bitteres Wasser fließen? Kann auch, liebe Brüder, ein Feigenbaum Oliven oder ein Weinstock Feigen tragen? So kann auch eine salzige Quelle nicht süßes Wasser geben." (Jakobus 3,9-12)

Loben und Fluchen passen einfach nicht zusammen. Da ist keine Rede davon, daß wir bei der einen Gelegenheit "fromm daherreden" und an anderer Stelle "mit den Wölfen heulen" sollen, oder daß wir je nach Situation in verschiedene voneinander getrennte Rollen schlüpfen müssen. Das Lebenskonzept Gottes ist das "Leben aus einem Guß", echt, wahrhaftig, transparent, eine Einheit. Nicht nur vor Gott, sondern überhaupt können wir uns nicht auf Dauer verstellen. Unser Wesen tritt letztlich zutage, weshalb, so Jakobus, eine salzige Quelle nicht süßes Wasser geben kann. Was in uns ist, dringt am Ende nach außen, so Jesus:

"Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch seine Frucht gut sein; oder nehmt an, ein Baum ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein. Denn an der Frucht erkennt man den Baum. Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz." (Matthäus 12,33-35)

 Kein loses Gerede oder vulgäres Geschwätz, sondern den Ruhm Gottes verkündigen
Gott sagt uns mehrfach, daß wir Verantwortung tragen für das, was wir reden und wie wir etwas sagen, und fordert uns zu verantwortlichem Umgang mit unserer Zunge auf (Jakobus 1,19). Insbesondere wo viel geredet wird, wird manch Ungutes dahergesagt (Sprüche 10,19). Mit dem, was wir sagen, haben wir enorme Wirkung auf das Leben anderer Menschen (Jakobus 3,5). Deswegen fordert uns Jesus auf, genau achtzuhaben auf das, was wir von uns geben:

"Ich sage euch aber, daß die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden." (Matthäus 12,36-37)

Jesus möchte, daß wir mit unserem Reden und unseren Gesprächsbeiträgen dazu beitragen, anderen Menschen zu dienen und sie dadurch in ihrem Leben zu fördern und voranzubringen, ja, daß dies unser tiefes Verlangen und Bestandteil unserer inneren Natur wird, uns "in Fleisch und Blut übergeht". Paulus schrieb an die Epheser:

"Laßt kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. [...] Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit." (Epheser 4,29.31)

Segensbringer zu sein bedeutet für uns, Gutes reden zu wollen im Sinne der Lebenskonzepte Gottes und nicht gemeinsam mit der Welt zu murren, Sarkasmus und Zynismus zu pflegen, an der Verbreitung von Stammtischparolen zu politisch-gesellschaftlichen Fragen mitzuwirken (z.B. über Beamte, Lehrer, Ausländer), sich auf Kosten anderer zu belustigen, anzügliche Witze zu verbreiten oder Sexualität mit Vulgärausdrücken oder auf andere Art in den Schmutz zu ziehen. Weiter heißt es in dieser Passage des Epheserbriefs, in der Paulus leidenschaftlich und mit großem Ernst dazu auffordert, sich von der überkommenen Lebensart der nichtchristlichen Umwelt zu trennen:

"Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung." (Epheser 5,4)

Wir sind nicht dazu berufen, mit Vulgärausdrücken um uns zu werfen oder lose daherzureden, sondern in unseren Gesprächen untereinander, aber auch mit Nichtchristen, Gott zu danken und innerlich mit Dankbarkeit erfüllt zu sein, sowohl für das, was er für jeden von uns persönlich getan hat, als auch für seine weisen Ordnungen und sein Wirken in der gesamten Heilsgeschichte:

"Das Volk, das ich mir bereitet habe, soll meinen Ruhm verkündigen." (Jesaja 43,21)

Judas kontrastiert diese Berufung des Volkes Gottes mit dem Verhalten der Gottlosen, um uns den Unterschied zur nichtchristlichen Umwelt deutlich zu machen und warnende Beispiele zu geben, und gibt eine geistliche Einordnung dieses Verhaltens in den heilsgeschichtlichen Gesamtablauf:

"Es hat aber auch von diesen geweissagt Henoch, der siebente von Adam an, und gesprochen: Siehe, der Herr kommt mit seinen vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten und zu strafen alle Menschen für alle Werke ihres gottlosen Wandels, mit denen sie gottlos gewesen sind, und für all das Freche, das die gottlosen Sünder gegen ihn geredet haben. Diese murren und hadern mit ihrem Geschick; sie leben nach ihren Begierden, und ihr Mund redet stolze Worte, und um ihres Nutzens willen schmeicheln sie den Leuten. Ihr aber, meine Lieben, erinnert euch an die Worte, die zuvor gesagt sind von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus, als sie euch sagten, daß zu der letzten Zeit Spötter sein werden, die nach ihren eigenen gottlosen Begierden leben." (Judas 14-18)

Lassen wir uns also nicht zum Sprachrohr der Lästerungen und Spöttereien unserer Zeit machen, sondern zu Menschen, die seinen Ruhm und seine Herrlichkeit proklamieren (1. Petrus 1,9).

 Unser Zuhause ist nicht dort, wo Spott und Lästerung regieren
Als Gotteskinder können wir uns nicht dort zuhause fühlen und nicht dort zuhause sein und unseren Spaß haben, wo man sich trifft, um über alles mögliche zu spotten, abzulästern, das große Wort zu führen oder alles in den Schmutz zu ziehen. Gott fordert uns ausdrücklich dazu auf, an solchen Dingen nicht teilzuhaben und davon fernzubleiben; es ist nicht unser Platz:

"Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!" (Psalm 1,1-2)

Es geht darum, daß wir uns nicht mit der Haltung und dem Geschehen an den Orten, "wo die Spötter sitzen", identifizieren. Wenn wir zu Lästerungen einfach schweigen, wird dies meistens als Zustimmung gewertet und erscheint nach außen hin als Mitmachen, als Identifikation. Und wenn wir uns dort zuhause fühlen und gerne dort sind, haben wir die Identifikation innerlich bereits vollzogen. Weil wir aber nicht mitmachen sollen bei Dingen, die Gott verabscheut und unter seinem Zorn stehen, schrieb Paulus: "Darum seid nicht ihre Mitgenossen" (Epheser 5,7). Häufig an solchen Orten zu sein wirkt auch direkt negativ auf unser geistliches Leben; denn Umgang prägt, und wir neigen dazu, Verhaltensweisen unserer Umwelt zu übernehmen: "Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten" (1. Korinther 15,33).

Nirgendwo fordert Gott uns dazu auf, mit Menschen, die ihren Unglauben leben, in dem hier erörterten Sinne gemeinsame Sache zu machen, im Gegenteil (dazu an anderer Stelle mehr). Auch Matthäus 9,9-13 liefert kein Gegenargument; denn Jesus machte sich bei der Feier von Matthäus nicht zum Teil seiner sündigen Umgebung, ging nicht in ihr auf, sondern prägte sie und lebte seine Mission konsequent, Sünder zur Buße zu rufen.

 Berufen, den Zeitgeist zu überwinden und Gottes zukünftiges Königreich prophetisch zu demonstrieren
Unsere Berufung, Segensbringer zu sein, erstreckt sich auch auf Situationen, in denen Menschen uns Schwierigkeiten bereiten, bedrängen und verfolgen:

"Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht." (Römer 12,14)

Dies ist übrigens ein Beispiel dafür, wie wir, indem wir entgegen den Prinzipien und Erwartungen der Welt handeln, einen geistlichen Sieg erringen können, den Feind durch Handeln im entgegengesetzten Geist überwinden können. Wo wir die (negativen) Erwartungen der Welt durchbrechen und nonkonform zu ihr handeln, erleben wir die Aussage "Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit" (2. Korinther 3,17) in ihrer ganzen Kraft und damit geistliche Durchbrüche und einen Sieg über Bastionen der Macht Satans. Die Aufforderung zum Segnen gilt natürlich auch innerhalb der Gemeinschaft der Christen, nämlich speziell den Geschwistern gegenüber, mit denen wir uns in einer Konfliktsituation befinden:

"Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen ererbt. Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht betrügen." (1. Petrus 3,9-10)

Im Wissen um und im Blick auf eine zukünftige Wirklichkeit - nämlich den Segen zu ererben, also in Ewigkeit mit Jesus sein kommendes Reich zu regieren, das in physische Existenz treten wird - dürfen wir so, als wäre diese Zukunft heute schon realisiert, Konsequenzen für unser Verhalten in der Gegenwart ziehen - nämlich die Prinzipien weltlicher Streitkultur durchbrechen -, um so prophetisch das Wesen des künftigen Königreichs Gottes vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt zu demonstrieren. Unser eigentliches segnendes Handeln am Glaubensgenossen hat dadurch auch eine stark nach außen gerichtete Wirkung.

 Ablegen und Abgeben statt "Rauslassen"
Die zahlreichen Imperative machen deutlich, daß wir als Christen in Konfliktsituationen nicht hilflos einem sich in uns aufbauenden "Druck" ausgeliefert sind, der "raus muß". Nirgendwo in der Bibel ist die Rede davon, daß wir Frustabbau durch das Aussprechen von Schimpfwörtern betreiben sollen, sondern dies wird klar dem Lebensstil des "alten Menschen" zugeordnet, den wir ablegen sollen - und auch können, da Jesus uns mit seinem Sieg über Satan am Kreuz von der Sklaverei der Sünde, Satans Machtinstrument, befreit und damit auch die Freiheit gebracht hat, sich für einen neuartigen Umgang mit Konflikten entscheiden zu können:

"Nun aber legt alles ab von euch: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde; belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat. [...] Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn." (Kolosser 3,8-10.17)

Und in Jesus haben wir die Adresse schlechthin, wenn es darum geht, Frust und Unmut über Menschen und Situationen loszuwerden. Er hat uns eingeladen, alles, was unser Herz und unser Denken beschwert, ihm zu bringen:

"Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht." (Matthäus 11,28)

Wir können im Gebet vor Jesus kommen, ihm die gesamte schwierige Situation bringen, und die beteiligten Menschen in seinem Namen segnen (Dies ist auf keinen Fall als Ersatz für ein ggf. nötiges Gespräch mit der betreffenden Person zu verstehen, sondern dadurch bekennen wir, daß wir Hilfe brauchen in einer Situation, die zum Teil außerhalb unserer Verfügungsgewalt ist, und sie von dem erwarten, der über alles herrscht - dies schafft beste Voraussetzungen für ein derartiges Gespräch). Durch das Segnen bekunden wir, daß wir anderen Menschen das Beste wünschen, und geben Gott die Ehre und demonstrieren das Wesen seines Reichs, während wir durch das Gebet an der Regentschaft Gottes über das Universum - und damit auch über die konkrete Konfliktsituation - teilhaben. Und Gott verspricht, daß dies nicht ohne Wirkung bleibt. Hingegen erreichen wir keine positive Wendung einer Situation, indem wir unseren Frust in Gestalt von Schimpfworten und Lästerungen "rauslassen"; im Gegenteil, wir schaden obendrein uns selbst. Jesus sagte:

"Was [aber] aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein." (Matthäus 15,18-20)

Lästern, Fluchen und Schimpfen befreit uns nicht, sondern macht uns unrein; es wirkt negativ auf uns zurück, indem sich das Fluchen als Gewohnheit einschleift, die ihrerseits wieder unsere bösen Gedanken und unsere negative Stimmung nährt. Hierdurch bekommen wir keinen beständigen inneren Frieden, sondern nur durch Jesus, in einer intakten Beziehung mit ihm, denn "er ist unser Friede" (Epheser 2,14) und hat Frieden gemacht durch sein Blut am Kreuz (Kolosser 1,20), so daß wir durch ihn Frieden mit Gott haben (Römer 5,1).

 "Affektive Entlastung" durch Schimpfwörter - Anatomie eines Irrtums
Daß in unserer Gesellschaft der Gebrauch von Fluchwörtern und Lästerausdrücken in dem heutigen Ausmaß akzeptiert und praktiziert wird und als Mittel der Psychohygiene gesehen wird, hat auch etwas damit zu tun, daß im schulischen Bereich schon vor Jahrzehnten begonnen wurde, eine entsprechende Sprachpädagogik zu propagieren, die somit bereits eine ganze Generation beeinflußt hat. Der christliche Pädagoge Eberhard Mühlan schreibt hierzu:

"Zum Beispiel nimmt die Gossensprache im Unterricht einen immer breiteren Raum ein und findet zunehmend Berücksichtigung im Sprachunterricht. Da Schimpfwörter in vielen Familien tabu sind, sollen die Kinder von diesem gesellschaftlichen Zwang befreit, ihr Grundbedürfnis soll wieder freigelegt werden. Ein Lehrerband formuliert es so: 'Schimpfwörter sind Teil der Umgangssprache und dienen der affektiven Entlastung des einzelnen. Es ist nötig, daß Kinder diese wichtige Funktion des seelischen Dampfablassens und Entrümpelns erkennen, damit sie die Schimpfwörter künftig ohne schlechtes Gewissen verwenden.'" (Eberhard Mühlan, Kinder in der Zerreißprobe, Verlag Klaus Gerth, Asslar, 1990; eingebettetes Zitat aus: Sprachprojekte 2, Lehrerband, S. 80, Braunschweig, 1975)

Bei der souveränen Wissenschaftlichkeit, mit der diese Gedanken vorgetragen werden, traut man sich beinahe schon nicht mehr, überhaupt etwas dazu zu sagen. Mit der oben aus den betrachteten Bibelstellen entfalteten Lehre ist es aber nicht mehr schwer, dieses Gedankengut mitsamt seiner Suggestivkraft zu entkräften.

Diese Aussage steht nicht nur im Widerspruch zu Gottes erklärter Abscheu gegenüber "schandbaren Worten", sondern offenbart auch einen grundlegenden Irrtum des Verfassers im Verständnis geistig-psychischer Prozesse beim Menschen. Mit diesen kennt sich unser Schöpfer, weil er uns geschaffen hat, besser aus als jeder andere, weshalb sein Wort als Lebenswegweiser und Problemlöser nicht von auf menschlicher Philosophie basierendem Gedankengut zu schlagen ist. Der Humanismus glaubt, daß der Mensch im Kern gut ist und es nur die negativen Umstände sind, die das Böse wie Schmutz auf dem guten Kern ablagern - und das man durch Dampfablassen loswird. Jesus sagt hingegen, daß böse Worte aus dem Munde eines Menschen ihn verunreinigen und aus dem bösen Schatz seines Herzens stammen (Matthäus 12,35), der nicht von den negativen Umständen, sondern aus einer Haltung der Auflehnung gegenüber Gott gespeist wird.

Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über (Matthäus 12,34). So korrespondiert der rauher werdende Umgangston unserer Zeit zu einem Verfall der Umgangsformen, der sich z.B. in zunehmender Rücksichtslosigkeit und in Verachtung jeglicher Art von Autorität (Schüler zu Lehrerin: "Du hast mir gar nichts zu sagen, du Schl...") zeigt. Im zweiten Brief an Timotheus hat Paulus treffend diese Aspekte unserer Gesellschaft, die sich in vielem gar nicht so sehr von der des Römischen Reichs unterschied, charakterisiert:

"Das sollst Du aber wissen, daß in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen." (2. Timotheus 3,1-4a)

Wo stehen wir? Paulus schrieb an die Römer: "Gebt nicht der Sünde eure Glieder hin als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin, als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit." (Römer 6,13).

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