Lehre
 Kultur ist nicht sakrosankt
In unserer Gesellschaft begegnet man gegenwärtig nicht so häufig einer Haltung des kritischen und analytischen Hinterfragens von Kultur, kulturellen Aspekten und Prägungen sowie kulturellen Darbietungen und Ereignissen. Weit verbreitet ist der Glaube, daß Menschen identitätsmäßig untrennbar mit "ihrer" Kultur und ihren kulturellen Lebensäußerungen verbunden sind, und so denkt man, daß die volle, uneingeschränkte Zustimmung zu kulturellen Prägungen und Lebensäußerungen zwingend notwendig ist, um einen anderen Menschen zu akzeptieren. Daher scheinen, einem ungeschriebenen Gesetz gleich, kulturelle Prägung eines Menschen oder kulturelle Darbietungen generell der Kritik und der Reflexion enthoben und unantastbar zu sein - wer sich nicht daran hält, erntet nicht selten eine Art "künstliche" Empörung.

Zwei unterschiedliche Ebenen von Kultur: Form und Inhalt

Was vielen nicht unmittelbar klar ist und oft völlig untergeht oder unberücksichtigt bleibt, ist die Tatsache, daß mit dem Begriff "Kultur"/"Kulturen" zwei unterschiedliche, deutlich zu trennende Ebenen angesprochen werden und zu betrachten sind:
  • Die Gesamtheit aller äußerlichen Aspekte alltäglicher Umgangsformen und aller künstlerischen Erscheinungsformen in Werken und Darbietungen aus dem Bereich der Literatur, der Kunst, der Musik, des Theaters etc. (die Form)
  • Eine vorherrschende weltanschauliche Prägung mitsamt der sich aus ihr ergebenden Werte, Normen, Leitlinien, Grundüberzeugungen, Lebensstile und dem damit verbundenen Lebensgefühl (der Inhalt)
Dabei wirkt sich mitunter die inhaltliche Ebene auch auf die Form aus, so daß manchmal die Trennung beider Ebenen nicht so leicht ist. Folgende Tabelle mag, vor allem hinsichtlich des persönlichen Lebens, als Anhaltspunkt dienen:

Form / Gestalt Inhalt / Werte
Musikstil, Kleidung Lebensphilosophie, Weltanschauung, Glaube, Denken, persönliche Überzeugungen
Zeiteinteilung Werte, Recht, Gesetzesgrundlagen
Zeitgefühl Lebensgefühl
Freizeitplanung Lebensstil
EGAL VON GOTT ERNEUERT
Paulus: "Ich bin allen alles geworden, ... ..., damit ich einige errette." (1.Kor. 9,22)

Inhaltlicher Kern einer Kultur ist nicht unantastbar

Die inhaltliche Ebene stellt aber den Kern einer Kultur dar, und anhand obiger Beschreibung ist klar, daß dieser inhaltliche Kern wegen seiner immensen Auswirkungen auf das reale Leben einer ganzen Gesellschaft alles andere als unantastbar ist und geistlich, vom Wort Gottes her, beurteilt werden muß:

"Nach Augustinus ist Kultur nicht eine Widerspiegelung der Rasse, Ethnie, Politik, Sprache oder des Erbes eines Volkes. Vielmehr ist Kultur die Auswirkung der Glaubensüberzeugung eines Volkes. Mit anderen Worten: Kultur ist die Manifestation des Glaubens (d.h. der Mehrheits-Weltanschauung*) ) eines Volkes in der Zeit...
Der Grund, weshalb er einen so großen Teil seines Lebens und Dienstes damit verbrachte, die heidnischen Philosophien der Welt zu kritisieren und die irrigen Theologien der Kirche ans Licht zu bringen, war der, daß Augustinus nur zu gut verstand, daß diese Dinge nicht nur im Bereich der Ewigkeit, wo sie das geistliche Schicksal von großen Teilen der Menschheit bestimmen, sondern auch im Bereich des Hier und Jetzt von Bedeutung waren - wo sie das zeitliche (d.h. irdische*) ) Schicksal ganzer Zivilisationen bestimmten."

(George Grant, The Micah Mandate, S.218-219, zitiert nach: Darrow L. Miller / Stan Guthrie, Wie sollen wir denn denken, S.105 - *) Anmerkung von Torsten Narjes)

Es läßt sich kaum besser beschreiben, warum wir Christen uns mit den Inhalten von Kultur in unserer Gesellschaft, in unserer Zeit, auseinandersetzen müssen. Außerdem wirkt die inhaltliche Ebene von Kultur auch auf uns selbst zurück: Wenn wir Kultur unkritisch inhalieren, bemerken wir nicht, wie wir weltanschauliche Überzeugungen verinnerlichen, die im Widerspruch zum Wort Gottes stehen (Kolosser 2,8) und damit unseren Glauben an Jesus und einen Lebensstil der Nachfolge von innen her zersetzen können. Deshalb ist es für uns Christen geistlich lebenswichtig, unseren Gott und Seinen Charakter zu kennen - und deshalb müssen wir Sein Wort, die Bibel, kennen - wirklich kennen, insbesondere auch, um den über die genannten weltanschaulichen Überzeugungen (1.Timotheus 4,1 spricht von "Lehren der Dämonen") vorgetragenen geistlichen Angriff parieren zu können.

Von der Todeskultur zur Lebenskultur

Manches, was heute von vielen als "LebensArt" und "Vielfalt" bezeichnet und gefeiert wird, ist in Wirklichkeit, im Lichte des Wortes Gottes betrachtet, Ausdruck des sich in einem anhaltenden Status der Gottesferne - unter der Vorherrschaft antigöttlicher Weltanschauungen - vollziehenden gesellschaftlichen Verfalls. Es ist eine "Todeskultur", ein "Verwesungsstil" (Römer 1,18-32), dessen fortgesetztes Praktizieren von der Teilhabe am Reich Gottes ausschließt und der deshalb in einer Gruppe von Menschen, die ihr Leben Jesus unterstellt, keinen Bestand haben kann, sondern durch Gottes Lebenskultur ersetzt wird (1.Korinther 6,9-11; Galater 5,16-6,10; Epheser 4,17-6,9; 1.Petrus 4,3-5).

Reformierte Kultur, erneuertes Denken, Befreiung von den alten Zwängen

Auf diese Weise wird die ursprünglich in dieser Gruppe von Menschen vorhandene Gesamt-Kultur durch das Wirken des Heiligen Geistes in eine reformierte Kultur umgewandelt, die Jesus verherrlicht. Kultur ist nicht sakrosankt. Gott hat der Ursprungskultur und ihren Denk- und Verhaltensweisen und Traditionen keinen Bestandsschutz verheißen, sondern will ganz im Gegenteil die Erneuerung des Denkens (Römer 12,1-2) und der Verhaltensmuster (Epheser 4,17-6,9) und die Befreiung von der Sklaverei kulturell goutierter Sünde, von der Macht der (Not-)Lüge, von Menschenfurcht und von der Herrschaft der "ungeschriebenen Gesetze".

Jesus - universelle Wahrheit für jeden Kulturkreis

Da es Gottes Wille ist, daß "allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen" (1.Timotheus 2,4), sorgt Er dafür, daß Sein Wort in die verschiedensten kulturellen Kontexte hineingesprochen wird. z.B. durch Menschen wie Paulus, der schrieb:

"Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. [...] Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette." (1.Korinther 9,20.22)

Aber nicht den Sündern ein Sünder. Auch geht es in der vorstehenden Passage nicht um ein Schmeicheln oder eine Anbiederung. Paulus gab nicht seine Identität auf, sondern versetzte sich, soweit es im Einklang mit dem erklärten Willen Gottes war, mit seinem Leben und seinem Denken in die verschiedensten Kulturen hinein, um aus ihnen Menschen für Jesus zu gewinnen. Er war ein absoluter Meister der kulturorientierten Evangelisation. Welche Prinzipien für das Hineinsprechen der Wahrheit Jesu in die unterschiedlichsten kulturellen Kontexte gelten, läßt sich beispielhaft an der Schilderung des Aufenthaltes von Paulus in Athen in Apostelgeschichte 17,16-34 ablesen:

"(16) Als aber Paulus in Athen auf sie (= Silas und Timotheus) wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, als er die Stadt voller Götzenbilder sah. (17) Und er redete zu den Juden und den Gottesfürchtigen in der Synagoge und täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden. (18) Einige Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und einige von ihnen sprachen: 'Was will dieser Schwätzer sagen?', andere aber: 'Es sieht so aus, als wolle er fremde Götter verkündigen'. Er hatte ihnen nämlich das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung verkündigt. (19) Sie nahmen ihn aber mit und führten ihn auf den Areopag und sprachen: 'Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? (20) Denn du bringst etwas Neues vor unsere Ohren; nun wollen wir gerne wissen, was das ist.' (21) Alle Athener nämlich, auch die Fremden, die bei ihnen wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören. (22) Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: 'Ihr Männer von Athen, ich sehe, daß ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. (23) Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. (24) Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. (25) Auch läßt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. (26) Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, (27) damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. (28) Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. (29) Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. (30) Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, daß alle an allen Enden Buße tun. (31) Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.' (32) Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: 'Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. (33) So ging Paulus von ihnen. (34) Einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen." (Apostelgeschichte 17,16-34)

Diesem Bibelabschnitt können wir hinsichtlich unseres Themas Folgendes entnehmen:
  • Paulus studierte die Kultur seiner Umgebung, insbesondere die durch sie transportierten weltanschaulichen (philosophischen/Glaubens-) Inhalte, und sah, was in Gottes Augen falsch war
  • Er suchte einen Anknüpfungspunkt in der betreffenden Kultur, holt seine Zuhörer in ihrer kulturellen Prägung ab und begegnete ihnen dabei mit Liebe und Erbarmen, anstatt seinen (berechtigten) Unmut über die Herrschaft der falschen Weltanschauungen an seinen Zuhörern auszulassen
  • Er suchte wiederholt Anknüpfungspunkte, nannte mit Esprit, aber ohne Umschweife das beim Namen, was in Gottes Augen falsch war, und konfrontierte es mit der Wahrheit Gottes
  • Er stellte klar, daß diese Wahrheit für alle Menschen an allen Orten ohne Ausnahme gilt, daß Jesus Christus das an alle Völker der Welt gerichtete Glaubensangebot Gottes ist - Jesus ist durch seine Auferstehung von den Toten von Gott beglaubigt und zum Weltenrichter am Ende der Zeiten bestimmt
Keine Rede davon, daß Wahrheit kulturell bedingt sei, auch nicht davon, daß dies "für dich wahr sein mag, aber nicht für mich" oder ich mit einer Aussage wie "Ich bin Moslem" meine, mich dieser Faktenlage entziehen zu können. Schließlich geht es hierbei nicht um eine Wellness-Übung für meine Seele, sondern um meine Rettung aus ewiger Verlorenheit. Und zu diesem Zweck hat Gott das Evangelium von Jesus Christus proklamiert als einzige Möglichkeit, zu Gott heimzukehren und damit Ruhe, Frieden, Sicherheit und ewige Geborgenheit bei Ihm zu finden - eine universelle Wahrheit für jeden Kulturkreis. Wäre das Evangelium nicht für jeden Menschen gültig, so wäre es als Lebensgrundlage völlig ungeeignet und nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt ist. Umgekehrt kann alles, was nicht im Prinzip für alle Nationen, ethnischen Gruppen und sozialen Schichten gültig sein kann, nicht Bestandteil des Evangeliums sein.

Das Dogma von der "Freiheit der Kunst"

Ein nahezu unumstößlich wirkender Lehrsatz in unserer heutigen Gesellschaft ist das Dogma von der sogenannten "Freiheit der Kunst", vor allem im Sinne einer Freiheit von der Beurteilung des Inhalts künstlerischer Werke, namentlich der durch sie transportierten weltanschaulichen Botschaften. Kunst und Kultur werden häufig als eine Art letzte, unantastbare Instanz angesehen, praktisch "heilig" (daher rufen auch etwaige Pläne zur Kürzung staatlicher finanzieller Zuwendungen stets eine eigentümliche "künstliche Empörung" hervor) und nicht mehr hinterfragbar. Im Namen dieser (Beurteilungs-)"Freiheit der Kunst" erteilen Intellektuelle denjenigen Rügen, die sich kritisch mit den transportierten Inhalten und weltanschaulichen Botschaften in künstlerischen Werken auseinandersetzen, sofern sie dadurch gleichzeitig die Fundamente des Zeitgeistes kritisieren bzw. ihnen biblische Aussagen entgegenstellen.

Die (Beurteilungs-)"Freiheit der Kunst" gerät damit faktisch zu einem Deckmantel für die Ausbreitung dunklen, zerstörerischen und zersetzenden Gedankenguts, z.B. Pornographie in Film und bildender Kunst, Verhöhnung Jesu und der Kirche, die immer häufiger zu beobachtenden perversen Obszönitäten in Theaterstücken, verdeckter und offener Satanismus und Aufforderung zu Frust, Haß und Brutalität durch diverse Protagonisten des Heavy Metal (Dark Metal, Death Metal, Thrash Metal).

Das Dogma von der Beurteilungs-Freiheit der Kunst hat im Lichte des Wortes Gottes keinen Bestand. Vielmehr muß es sich jeder Beitrag aus Kunst und Kultur gefallen lassen, im Lichte des Wortes Gottes auf seine Auswirkungen auf persönliche Entwicklung und Gesellschaft hin untersucht und beurteilt zu werden. Dies gilt beispielsweise gerade auch für die literarischen Werke von Gotthold Ephraim Lessing, Friedrich Nietzsche, Albert Camus, Aldous Huxley, Jean Paul Sartre und Ernest Hemingway, die mit ihrem Gedankengut der Orientierungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, des Agnostizismus und Nihilismus Millionen von Menschen geprägt haben.

"Die Gedanken sind frei" heißt es in einem alten Lied. Christen jedoch haben die Verantwortung, Ordnung in ihrer Gedankenwelt zu halten, sie bzw. das Herz zu behüten (Sprüche 4,23). Böse Gedanken sind nicht einfach "nur Gedanken", sondern bei steter Pflege und Beherbergung der Ausgangspunkt böser Taten (Matthäus 15,19). Ebenso führt "Philosophie und leerer Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus" (Kolosser 2,8), zu einem Denken und zu Handlungen, die Gott nicht entsprechen, weshalb wir "alles Denken in den Gehorsam gegen Christus" gefangennehmen sollen (2.Korinther 10,5). Letzteres gilt nicht nur für jeden von uns persönlich, sondern auch für einen geistlichen Leiter im Hinblick auf den ihm anvertrauten Bereich in der Gemeinde Jesu, wo im geistlichen Kampf "Gedankenfestungen" (2.Korinther 10,4) zu zerstören sind - sei es im Gebetskampf oder durch eine apologetische Predigt oder Lehrbeiträge. Im Rahmen der gesellschaftlichen Öffentlichkeit bedeutet dies, die engagierte apologetische Auseinandersetzung um die betreffenden Beiträge zu suchen.

Das Dogma von der Trivialität der "heilen Welt" in der heutigen Kunst

Ein weiteres, besonders von sich intellektuell gebenden Menschen vorgetragenes Dogma unserer Zeit besteht darin, daß heutige Werke der Kunst und Kultur - will man das vernichtende Prädikat "trivial" vermeiden - auf keinen Fall das "Heile und Gute" (wie Gott es sich ursprünglich gedacht hat) darstellen darf, sondern das Kaputte, Dekadente, Zerstörte, Problembeladene, Fragen, für die es keine klaren Lösungen gibt, weil angeblich nur dies in der Realität vorkommt. (Beispiel: Als es in Kiel noch eine selbständige Pädagogische Hochschule gab, meinte ein Dozent zu einer christlichen Studentin: "So darf man doch heutzutage nicht mehr malen!").

Gleichzeitig will man aber das Dekadente nicht als "dekadent" bezeichnen, sondern als "Lebensform", "alternativen Weg", "Kultur" etc. Es handelt sich hier um die künstlerische Parallele zu der Sicht, daß es zur Lösung aktueller Fragen auf keinen Fall althergebrachter Ideen bedarf, schon gar nicht, wenn sie aus der Bibel stammen. Dies ist Teil einer Strategie, die zum Ziel hat, Menschen in ihrer Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit zu belassen und dort festzuhalten, indem man versucht, die Angebote Gottes für ein gelingendes Leben "unsichtbar" zu machen.

Und es gibt sie doch, die heile Welt, nämlich bereits überall da, wo Jesus Menschen heil gemacht hat, physische Krankheiten und seelische Verletzungen geheilt worden sind, dämonische Abhängigkeiten gebrochen worden sind, zerstörte Beziehungen wiederhergestellt worden sind, kurzum, überall dort, wo Reich Gottes in diese durch Verfall gekennzeichnete Welt eingebrochen ist und Menschen erreicht hat.

Gemeinde Jesu und ethnisch-nationale kulturelle Identität

Gott interessiert Deine kulturelle Herkunft nicht, wenn es um Fragen des Heils geht. Die Bibel lehrt unmißverständlich, daß vor Gott, dem Vater Jesu Christi, kein Ansehen der Person gilt (Apostelgeschichte 10,34-35; Römer 2,11; Epheser 6,9; Kolosser 3,25), auch und gerade nicht hinsichtlich der kulturellen Herkunft. Gott wendet auf alle Menschen aller Kulturkreise die gleichen Maßstäbe an und bestimmt für sie den gleichen Weg des Zugangs zu Ihm:

"Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhms, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist." (Römer 3,21-23)

Dementsprechend ist die Gemeinde Jesu von ihren Anfängen an international und vereinigt die verschiedensten ethnisch-nationalen kulturellen Formen in sich. Dies ist vielleicht noch nicht erstaunlich. Gemeinde Jesu ist nun aber kein Verein, sondern ein Leib, ein Organismus, der aus Menschen besteht, die in einer echten Liebesbeziehung mit Jesus, dem Haupt der Gemeinde, verbunden sind. Und so, wie in der euklidischen Metrik bei einem Dreieck BAC sich die Seite BC verkürzt, wenn sowohl B als auch C näher an A heranrücken, so schmilzt der Abstand zwischen Menschen auch aus verschiedenen ethnisch-nationalen kulturellen Hintergründen, wenn sie näher an Jesus heranrücken. Daß dabei auch die sonst gängigen Barrieren zwischen Menschen fallen, ist das Außergewöhnliche, Aufsehenerregende und ein mächtiges Zeugnis von Jesus gegenüber der Welt:

"Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus." (Galater 3,28)

"Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche (Barbar), Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus." (Kolosser 3,11)

Hierin erfüllt sich auch ein Teilaspekt dessen, worum Jesus den Vater im Hohepriesterlichen Gebet am Vorabend Seiner Kreuzigung gebeten hat: um die Einheit aller, die an Ihn glauben. Die Einheit in Jesus faßt Menschen, sofern sie auch wirklich eine Liebesbeziehung zu Jesus leben, durch den Heiligen Geist stärker zusammen als jedes andere Menschen zu Gruppen zusammenfassende Kriterium, also Blutsverwandtschaft, Geschlecht, Lebensalter, Beruf, Nationalität, soziale oder kulturelle Herkunft.

Als prophetische Vorausschattung dessen, was erst mit der Wiederkunft Jesu voll anbrechen wird, hat Gott die Gemeinde Jesu geschaffen als das "Volk des Eigentums", eine "heilige Nation", ein "Königreich von Priestern" (1.Petrus 2,9), ein "Reich, das nicht von dieser Welt ist" (Johannes 18,36). Christen sind die Avantgarde der neuen Welt. Sie haben Sehnsucht danach, "daheim beim Herrn zu sein" (2.Korinther 5,8), leben hier "in der Fremde" (2.Korinther 5,9), haben hier "keine bleibende Stadt, sondern suchen die zukünftige" (Hebräer 13,14). Paulus schrieb, daß unser Bürgerrecht, also unsere Staatsangehörigkeit, im Himmel ist (Philipper 3,20). Wir sind mit der Bekehrung "Ausländer" geworden. Von diesem Augenblick an sind National-Heimat und -Kultur belanglos geworden und nicht "erhaltenswert", nichts, an das man sich klammern oder sein Herz hängen sollte - wir sind, wie jemand ganz richtig erkannte, "vaterlandslose Gesellen, die überall zu Hause sein können" (nämlich dort, wo Reich Gottes und Gemeinschaft des Heiligen Geistes ist; unser richtiges Zuhause aber ist der Himmel bzw. das Neue Jerusalem, die Gemeinschaft mit Jesus von Angesicht zu Angesicht).

Vom Tag der Bekehrung an haben auch die Belange und die Sichtweisen des Reiches Gottes Vorrang vor ethnisch-national, kulturell bzw. gesellschaftspolitisch begründeten Belangen und Sichtweisen (oder gar Ressentiments). Hierzu gehört beispielsweise, daß wir uns mit den verfolgten Christen in China solidarisch erklären, wie sehr auch EU-Politiker ihre Sympathien für das kommunistische Regime in China zeigen mögen, und daß wir, statt der wahrheitsverzerrenden Berichterstattung einiger führender deutscher Print- und AV-Medien über evangelikale Christen aus Nordamerika beizupflichten, unsere Einheit mit unseren Geschwistern auf der anderen Seite des Atlantiks deutlich machen.

"Multikulti"

In den bisherigen Betrachtungen haben wir u.a. gesehen, daß die Gemeinde Gottes
  • multikulturell in ihren äußeren Formen ist, jedoch
  • eins in der exklusiven Anbetung Jesu und den daraus resultierenden zeitlosen Werten und Grundüberzeugungen.
Etwas völlig anderes hingegen ist das, was im Deutschland des beginnenden 21.Jahrhunderts unter dem Begriff "Multikulti" verstanden wird. Bei diesem "Multikulti" handelt es sich um ein Produkt der "neuen Toleranz" ( "Neue Toleranz" und "Political Correctness"), den verzweifelten Versuch und die Illusion, eine friedliche Gesellschaft unter Ausklammerung und auf Kosten der Frage nach Werten und Wahrheit errichten zu können.

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