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Aus Gottes Wort können wir nicht nur die klare Aussage entnehmen, daß es Leiterschaft in der
Gemeinde Jesu, im Reich Gottes gibt, sondern wir erfahren dort auch, wie Leiterschaft beschaffen sein soll
und welchen Zielen sie dient. Jesus selbst erteilte nach seiner Auferstehung den Auftrag, neue Jünger
zu lehren (Matthäus 28,19) und "die Schafe zu weiden" (Johannes 21), also in diesem Sinne
Leiterschaft in der Gemeinde Jesu auszuüben.
Schon vor seiner Kreuzigung formulierte Jesus die Grundgesinnung eines künftig in seinem Dienst
stehenden Leiters:
"Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein
will, der soll aller Knecht sein." (Markus 10,43-44)
Jesus selbst hatte das Werk begonnen, das bis zu seiner Wiederkunft seine Jünger fortführen
sollen und welches eben von den Leitern im Namen Jesu verantwortlich mitgestaltet wird. Daher erwartet
Jesus, daß sich jeder Leiter an seinem Charakter und seine Art zu leiten orientiert und ein Beispiel
nimmt, indem er auf seine eigene Mission, sein Leben als Lösegeld zu geben, verweist:
"Ihr wißt, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun
ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht, sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer
Diener sein, und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn
ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und sein Leben gebe als
Lösegeld für viele" (Markus 10,42-45)
Der Vergleich mit nichtchristlichen Herrschern (Königen, Präsidenten, Managern) macht
unmißverständlich klar, wie es in der Gemeinde Jesu gerade nicht zugehen soll und welche
Methoden und Einstellungen für eine christliche Leiterpersönlichkeit (übrigens auch bei
einem Wirkungskreis außerhalb der Gemeinde Jesu!) auf den Schrotthaufen der Geschichte gehören.
Das Neue Testament wird nicht müde, auf das Vorbild Jesu zu verweisen (z.B. im
"Christushymnus" Philipper 2,5-11), und Jesus gab den Jüngern mit der Fußwaschung am
letzten Abend vor seiner Kreuzigung (Johannes 13,1-20) ein entsprechendes leibhaftiges Beispiel, bei dem
er zugleich darauf verwies, daß er völlig zu recht "Herr und Meister" genannt
werde.
Im Hinblick auf das Vorbild Jesu lassen sich bereits charakteristische Merkmale dienender Leiterschaft
herausarbeiten, um nur einige zu nennen: Demut, Natürlichkeit, Unbefangenheit, Authentizität,
Fehlen von Unnahbarkeit, "Leben aus einem Guß" statt Spielen verschiedener miteinander
inkompatibler Rollen. Der Leiter bezieht sein Selbstwertgefühl nicht aus seiner Stellung als Leiter,
sondern aus der Eigenschaft, Gottes Kind zu sein. Sein Bedürfnis ist nicht darauf gerichtet, einen
etwaigen eigenen Machttrieb zu befriedigen, Machtgefühle auszukosten, andere gängelnd zu
beherrschen, eigene Vorteile zu verfolgen und das Ganze mit einem wohlklingenden Etikett zu betiteln:
"Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter
nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der
Vornehmste wie ein Diener." (Lukas 22,25-26)
Dienende Leiterschaft betrachtet die anvertrauten Menschen der Gemeinde nicht als "Karrieresubstrat",
um "Karriere im Reich Gottes" zu machen. Sie sind nicht Mittel zur Erfüllung egoistischer
Ziele, sondern stehen im Zentrum der leiterschaftlichen Fürsorge - eine Aufgabe, die nicht um des
bloßen Broterwerbs willen geleistet wird, sondern in die sich ein Leiter aus freiem Entschluß mit
seiner ganzen Persönlichkeit, seinem ganzen Herzen investiert und mit der er sich identifiziert,
weil er sich mit Jesus identifiziert, um dessen Auftrag es sich hier handelt:
"Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern
freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund,
nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde." (1.Petrus 5,2-3)
Genau wie Petrus betont auch Paulus, daß das Wesen von Leiterschaft in der Gemeinde Jesu nicht
darin besteht, Macht über andere Menschen erlangen und ausüben zu wollen:
"Nicht daß wir Herren wären über euren Glauben, sondern wir sind Gehilfen eurer
Freude" (2.Korinther 1,24)
"Gehilfen eurer Freude" - das Wesen christlicher Leiterschaft läßt sich kaum
besser und prägnanter beschreiben als mit dieser von Paulus gewählten Formulierung. Sie hat die
Aufgabe und das Ziel, die an Jesus Glaubenden, die den Leitern vom Herrn anvertraut sind, aufzurichten, zu
stärken, zu ermutigen, zu ermahnen, zu lehren, zu unterweisen, zu einem gesunden Selbstwertgefühl als
Kind Gottes zu führen, selbstlos das Beste für sie zu wollen, in die ganze Dimension der
Jüngerschaft hineinzuführen, herauszufordern und voranzubringen, bis sie die volle geistliche Reife,
Mündigkeit und Urteilsfähigkeit erreicht haben, durch die sie selbst geistliche Stützen und
"Vorangeher" im Reich Gottes werden, und ihnen gleichzeitig dabei zu helfen, in die Berufung und
in das Leben zu gelangen, das Gott für sie bereithält, und so werden zu können, wie Gott
sie gemeint hat. Wie die Zusammenfassung von Paulus zeigt, soll diese Sicht und diese Gesinnung letztlich
alle prägen, die in irgendeiner Form im Namen Jesu mit oder an Menschen arbeiten:
"Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als
Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib
Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes
Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi, damit wir nicht mehr
unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch
trügerisches Spiel der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen."
(Epheser 4,11-14)
Christliche Leiterschaft hat also das Ziel, die an Jesus Glaubenden zuzurüsten zum Werk des Dienstes,
sie geistlich fit zu machen für die Konfrontation mit der Sünde und den Ideologien dieser Welt
und sie in die volle Mündigkeit zu führen, so daß sie selbst als Leiter (im Bereich der
Gemeinde, aber z.B. auch als Eltern ihrer Kinder) Verantwortung übernehmen können.
Dabei bedient sich ein christlicher Leiter - im Gegensatz zu den von Jesus erwähnten
Beispielen nichtchristlicher Herrschaft - nicht unlauterer Methoden. Er versucht nicht, die ihm
Anvertrauten zu überlisten, durch Schmeicheleien o.a. zu übervorteilen, durch versteckte
Motive und rhetorische Kniffe hinters Licht zu führen oder durch Geheimniskrämerei im Unklaren
zu lassen. Er fordert keine "Privilegien" für sich. Er pflegt auch keine künstliche
Distanz zu den ihm Anvertrauten, sondern gibt im Gegenteil umfassend an seinem Leben Anteil, begegnet ihnen
auf der Ebene der Freundschaft und ist ihnen in echter, ungeheuchelter und
nichtberechnender Liebe zugetan:
"Denn unsre Ermahnung kam nicht aus betrügerischem oder unlauterem Sinn, noch geschah sie mit
List, sondern weil Gott uns für wert geachtet hat, uns das Evangelium anzuvertrauen, darum reden wir,
nicht, als wollten wir den Menschen gefallen, sondern Gott, der unsre Herzen prüft. Denn wir sind nie
mit Schmeichelworten umgegangen, wie ihr wißt, noch mit versteckter Habsucht - Gott ist Zeuge -; wir
haben auch nicht Ehre gesucht bei den Leuten, weder bei euch noch bei andern - obwohl wir unser Gewicht
als Christi Apostel hätten einsetzen können -, sondern wir sind unter euch mütterlich
gewesen: Wie eine Mutter ihre Kinder pflegt, so hatten wir Herzenslust an euch und waren bereit, euch nicht
allein am Evangelium Gottes teilzugeben, sondern auch an unserm Leben; denn wir hatten euch
liebgewonnen." (1.Thessalonicher 2,3-8)
Damit meinte Paulus nicht eine Pseudo-"Liebe", die im Gewand einer "Fürsorge"
daherkommt, um gleichzeitig dem Betreffenden mitzuteilen, daß er unfähig sei und nichts könne,
die ihn klein zu halten versucht und in der Abhängigkeit und Unmündigkeit festzuhalten trachtet -
sondern die Liebe, die ihn in die volle geistliche Reife, Mündigkeit und Urteilsfähigkeit
führt, so daß er selbst eine Säule im Reich Gottes werden kann.
Aufgrund der prinzipiell gleichen Stellung aller an Jesus Glaubenden vor dem Gott, der kein Ansehen der Person
kennt (Römer 2,11; 1.Petrus 1,17), sowie ihrer Einheit in Jesus über alle menschlichen
Unterscheidungskriterien hinweg (Galater 3,28; Kolosser 3,11) ist klar, daß es keine wie auch immer
geartete Sonderstellung für Leiter in der Gemeinde Jesu, kein besonderes Herausgehobensein bzw.
Abgeschirmtsein und (abgesehen von der Finanzierung des Lebensunterhalts bestimmter Leiter nach 1.Korinther
9,14) keine Vorrechte für sie geben kann. Vielmehr bekräftigte Jakobus:
"Haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der
Person." (Jakobus 2,1)
Dieses Wort erteilt jeder Form von Personenkult und jeder Gewährung von Sonderrechten in
der Gemeinde Jesu für Leiter, für Reiche etc. eine klare Absage. Auch kommt Leitern (oder
anderen Menschen) niemals eine Mittlerfunktion zwischen Jesus bzw. Gott und anderen Menschen zu, da Jesus
der einzige Mittler ist (1.Timotheus 2,5) und er für alle direkt zugänglich ist.
Lebenswirklichkeit in einer Gemeinde ohne dienende Leiterschaft
Wenn folgende Beobachtungen für das Verhältnis zwischen Gemeinde und Leitungskreis typisch sind
- Die Gemeindeleitung betrachtet sich als "großer Bruder" und den Rest der Gemeinde
als "kleine Geschwisterchen", die angeblich nur herumnörgeln und nichts richtig verstehen
- Die Gemeindeleitung gibt sich als elitärer Kreis und schottet sich wie ein nichtchristliches
Unternehmensmanagement vom Rest der Gemeinde ab, trifft sich selbst bei Gemeindefesten nur mit
ihresgleichen. Gemeinschaft mit Leitungspersonen ist nur auf der Ebene "kirchlich-dienstlicher"
Gespräche nach Blick in den Terminkalender oder gar Anmeldung über ein Sekretariat
möglich
- Der Leitungskreis gewährt sich und engen Freunden "Sonderrechte"; er läßt
im eigenen Kreis Taten durchgehen, die bei normalen Gemeindemitgliedern zum Entzug von Aufgaben oder
gar zum Ausschluß aus der Gemeinde führen (z.B. Mitarbeiterin des Seelsorgedienstes lebt mit
einem Mann einer anderen Frau zusammen, ohne daß die Gemeindeleitung eingreift, da jene Mitarbeiterin
mit dem Leitungskreis gut befreundet ist)
- Der Leitungskreis fördert nicht das Reifwerden im Glauben, sondern die Abhängigkeit von
den Leitern ("Wir hören für euch auf Gott")
- Die Gemeindeleitung stellt die Loyalität des einzelnen gegenüber der Leiterschaft als
bedeutsamer heraus als seinen direkten Gehorsam gegenüber Gott gemäß seinem Wort. Mitunter
wird sogar (in völliger Überziehung von Hebräer 13,17) dazu aufgerufen, der Leitung selbst
dann zu folgen, wenn jedem klar denkenden Christen offensichtlich ist, daß sie falsch handelt.
- Der Leitungskreis hält wesentliche Informationen zurück, um sich unangenehmer Kritik nicht
stellen zu müssen bzw. um die Meinung der Gemeinde zu manipulieren, oder stellt Vorgänge nach
PR-Art in einer Weise dar, daß man bereits an seiner eigenen Wahrnehmungsfähigkeit zu zweifeln
beginnt
dann ist dies ein starker Hinweis darauf, daß in einer solchen Gemeinde die Gemeindeleitung das Prinzip
der "dienenden Leiterschaft" und andere biblische Normen verletzt und auf den eigenen Machterhalt
hinarbeitet. Eine solche Leiterschaft konterkariert das Wesen des guten Hirten Jesus (Johannes 10,7-15) und
wird von Gott zur Verantwortung gezogen werden (Hesekiel 34,1-10).
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