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Der Verriß über Jesus, Carsten Peter Thiede, Christival 1996 und die gläubigen Christen
Ein Artikel vom 27. Mai 1996 (Die Guten WWW-Seiten von Kiel, Torsten Narjes)
DER SPIEGEL (und übrigens auch FOCUS) hat sich in seiner Ausgabe 22/1996 und
im SPIEGEL TV Magazin vom Pfingstsonntag mit der Frage "Wer war Jesus?"
beschäftigt. Es geht um die Identifizierungsthesen von Carsten Peter
Thiede insbesondere zum 7Q5-Papyrus und die damit entstandene öffentliche
Diskussion um die Relevanz des Neuen Testaments. Im folgenden
veröffentliche ich E-Mail-Leserbriefe an den SPIEGEL.
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Da interessanterweise zeitgleich im SPIEGEL und im FOCUS über die
Thesen von Carsten Peter Thiede bezüglich der Identifizierung und
Datierung neutestamentlicher Handschriften (und die Reaktionen darauf)
berichtet wird, möchte ich, hauptsächlich zum SPIEGEL-Bericht, einiges
anmerken.
Ich besitze schon länger das Buch "Die älteste Evangelienhandschrift?" von
Carsten Peter Thiede, und in diesem Buch ist auch beim gründlichsten Lesen
kein Anhaltspunkt von Wunschdenken und Blindheit zu erkennen. Vielmehr
belegt Thiede seine Identifizierungs-These von 7Q5 mit Markus 6, 52-53
so gut wie möglich und weist ausdrücklich auf Schwierigkeiten hin, wo es solche gibt.
Ich kann jedem, der sich wirklich unvoreingenommen seine Meinung bilden
will, dieses Buch nur empfehlen.
Sie erwecken unausgesprochen den Eindruck, daß Thiede ein von den
Großkirchen finanzierter Gefälligkeitswissenschaftler ist. Diesem
Eindruck möchte ich hier klar widersprechen. Im Gegenteil hat es ein
gläubiger Christ heute in den deutschen Großkirchen, die eher auf der
Linie der deutschen Theologie liegen, schon ziemlich schwer, bibeltreu
seinen Glauben zu leben. Ferner ist es absolut natürlich, daß ein
wissenschaftlich begabter gläubiger Christ seine Fähigkeiten einsetzt,
um dem Ursprung des christlichen Glaubens historisch näherzukommen und
dabei auch andere Menschen für den Glauben an Jesus Christus zu gewinnen.
Dazu bedarf es keiner großkirchlichen Finanzierung, selbst wenn sie denn
trotzdem stattfindet.
Interessant ist, daß sich die Gemüter der Kritiker, vornehmlich in
Deutschland, erhitzen, wenn nur ein einziger vorsichtig behauptet, daß
die biblischen Berichte über Jesus und die Urchristen echt und originär
sein könnten. Oft werden Ströme von Spott, Empörung und Beleidigung über
solche Leute ausgegossen, während beim nächsten Themenwechsel wieder das
Loblied auf die "moderne Zeit", das Gute im Menschen und den Humanismus
angestimmt wird. Könnte es daran liegen, daß man mit aller Macht versucht,
Gott loszuwerden, autonom zu leben? Es ist eben nicht opportun, die
Menschen in ihrer Sünde zu stören (die auch schon in archaischen Zeiten
"modern" war) und direkt oder indirekt die Notwendigkeit, die Gnade Gottes
in Jesus Christus anzunehmen, zu implizieren.
Interessant ist auch, daß insbesondere im anglophonen Bereich Thesen
wie die von Thiede/O'Callaghan und anderen freimütig und wirklich
wissenschaftlich diskutiert und in den Diskurs aufgenommen werden, während
große Teile der
deutschen Universitäts-Theologie (ausgenommen Tübingen) sofort abblocken,
von "Biblizismus" sprechen und Bücher von Thiede und anderen als "nicht
zitierfähig" diskreditieren. Deutsche Theologie-Professoren, die Thiedes
Thesen für diskutabel halten und sich "outen", müssen mit dem Verlust
ihres Lehrstuhls rechnen, weil eben "nicht sein kann, was nicht sein darf".
Diese Dinge kommen in Ihren Berichten leider überhaupt nicht ins Blickfeld.
Und entgegen Ihrer geäußerten Absicht, daß Sie dem Leser helfen wollen,
sich ein eigenes Bild in dieser Diskussion zu machen, berichten Sie
verzerrt und tendenziös kommentierend über Thiedes Untersuchungen, gemäß
dem für Sie feststehenden Ergebnis. Es wäre auch ein neutraler Bericht über
die Argumente in der gegenwärtigen Diskussion möglich gewesen. Ich habe
schon oben einiges über das mögliche Hauptmotiv dargelegt, Gott
loszuwerden. Sie selbst haben Deutschland als "heidnisches Land mit
christlichen Restbeständen" bezeichnet (DER SPIEGEL 25/1992), und damit
liegen Sie völlig richtig. Aber mit der obigen Art von Berichterstattung tragen Sie leider mit
dazu bei, daß viele Menschen in ihrer Schuld (und Mutlosigkeit)
gefangen und geblendet bleiben, weil sie den Ausweg "Jesus" nicht kennen. Ich
bitte Sie mit Nachdruck, sich vor Jesus ihrer journalistischen
Verantwortung zu stellen.
Torsten Narjes
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Auch der Beitrag des SPIEGEL TV Magazins in RTL vom 26.05.1996 zum Thema "Wer
war Jesus?" muß einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Die Art der
kommentierenden Darstellung der Auseinandersetzungen in der Frage der
Datierung neutestamentlicher Schriften gleichte in vielen Dingen der
entsprechenden Darstellung im Printmedium "DER SPIEGEL 22/1996".
Möglicherweise beabsichtigten Sie einen kommentierten Überblick über die
gegenwärtige Vielfalt der Ansichten zum Thema "Wer war Jesus?". Aber
anstatt u.a. einen Beitrag zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit Thiedes
Thesen zu leisten (ich verweise nochmals auf sein Buch "Die älteste
Evangelienhandschrift?" und auf Betz/Riesner: "Jesus, Qumran und der Vatikan")
- auf dem Foto des 7Q5-Papyrus sind für mich 12 der 20 angesprochenen
Buchstaben einwandfrei lesbar, er stammt aus einer 68 n.Chr. verschlossenen
Höhle, und die mögliche Thiede'sche Lesart von 7Q5 ist durch einen
Computervergleich mit aller bekannten antiken griechischen Literatur einzig mit
Markus 6,52-53 in Übereinstimmung zu bringen, während hingegen Aland ein
bekannter Irrtum bei seinen 7Q5-Untersuchungen unterlaufen ist (Betz/Riesner) -
vermischen Sie Thiedes Aussagen, Ihre unterstellenden Vermutungen,
Jesus-Film-Ausschnitte, selektive theologische Interviews, archäologische
Reportage, Irrtümer der katholischen Kirche, Bekenntnisse gläubiger
Christen und Christival-Ausschnitte zu einem unappetitlichen Brei, um das
Ergebnis "Der biblische Jesus ist eine Legende der Alten Kirche, und die
heutigen gläubigen Christen sind irrende Sonderlinge" zu präjudizieren.
Schade!
Die Informationen aus dem obigen Einschub suchte ich in Ihrem
45-Minuten-Beitrag vergeblich. Stattdessen verwendeten Sie viel Zeit darauf,
mögliches Vertrauen in Thiedes Identifizierungsthesen durch folgende
Assoziationsketten zu zerstören:
- Thiede ist ein von der katholischen Kirche finanzierter
Gefälligkeitswissenschaftler.
- Thiede will mit dem Thema "Jesus" einfach Geld kassieren.
- So wie die katholische Kirche fälschlich Jesus-Gewänder anpreist,
so unglaubwürdig ist auch Thiedes These.
- Wie die katholische Kirche will Thiede das Rad der Geschichte
zurückdrehen.
Dabei sind (1) und (2) Unterstellungen, während bei (3) und (4) Dinge
miteinander vermengt werden, die nichts miteinander zu tun haben. Bei den
Jesus-Gewändern, orthodox/koptischen Grabeskirchen u.ä. handelt es sich
erwiesenermaßen um Falsifikate. Von völlig anderer Qualität sind
Erkenntnisse über Orte und Begebenheiten aus den Evangelien und dem
historischen Umfeld, wo historisch-archäologisch gute Arbeit geleistet
wird. Etwas davon war auch in Ihren guten archäologischen Kurzreporten zu
sehen, zu denen allerdings Ihre Vorbemerkungen überhaupt nicht paßten.
Aufgrund der Forschungsarbeit wurden schon manche Thesen aus Aufklärung
und Bibelkritik Stück für Stück kassiert, z.B. durch die Entdeckung der 5
Hallen am Teich Bethesda oder die Datierung des alexandrinischen p52-Papyrus
(=Johannes 18,31-33.37-38) auf 125 n.Chr. Hier geht es mitnichten um ein
Zurückdrehen der Zeit aus Prinzip oder Machtinteressen, sondern um die
Akzeptanz der (nicht neuen) Erkenntnis, daß das Neue Testament authentisch
ist und historisch zu verstehen ist, so wie es Lukas für sein zweiteiliges
Werk schreibt, und natürlich um die dann unabweisbaren Konsequenzen für
unseren Lebensstil heute.
Über weite Strecken vermittelte Ihr Beitrag auch ein schiefes Bild über
gläubige Christen. Einiges sei nur kurz genannt:
- Christliche Israel-Reisende, die sich die biblischen Stätten anschauen
wollen und in Ihren Interviews lebendig über ihre Beziehung zu Jesus
berichteten, wurden in Ihrer Reportage als "nach mystischen Erfahrungen
Suchende" eingeordnet.
- Christival-Teilnehmer hätten "mit Mühe" Glaubensaussagen in moderne
Sprache zu kleiden versucht, obwohl dies sehr erfolgreich geschah.
- Die Christival-Veranstalter hätten "keine Mühe gehabt", ihren Jesus
als Gekreuzigten und Auferstandenen zu vermitteln. Ich kann mich nicht an
den genauen Wortlaut erinnern; man konnte aber mit ihm den Versuch einer
Steuerung der Teilnehmer durch die Veranstalter assoziieren.
Übrigens hat der Christival-Chef Roland Werner (mit Guido Baltes) in
"Faszination Jesus" einen historischen Anhang mit Quellenangaben angefügt,
der einen sehr guten Einstieg in die Thematik "Jesus und die ersten Christen"
bietet. Zu Ihrer Aussage, daß amerikanische Christen sich in dieser
Hinsicht befremdet über die abendländische Theologie äußern, muß ich
erneut darauf hinweisen, daß wesentliche Teile der deutschen
Universitäts-Theologie nicht nur sich gegenüber bibelfreundlichen Thesen
abschotten, sondern von der internationalen Entwicklung abgekoppelt sind: die
deutsche Theologie hat singulären Charakter.
Erinnerungen an den Mai 1995 werden wach. Damals folgte auf die
Großevangelisation "Pro Christ" der böse Verriß des charismatisch geprägten
Jesus-Marsches 1994 z.B. in Stern und FOCUS, wo u.a. wegen der Straftat eines
Pastors die jüngsten Sekten-Massaker in abenteuerliche Beziehung zur
charismatischen Bewegung gesetzt wurden. Jetzt folgt auf das "Christival" der
Thiede-Verriß. Was folgt auf Reinhard Bonnkes "Vom Minus zum Plus"? Oder auf
das nächste "Pro Christ" im November 1997? Der Name Jesus beunruhigt weiter
die Printmedien und die "aufgeklärte" Gesellschaft und hat offenbar in 2000
Jahren nichts von seiner Explosivkraft eingebüßt...
Torsten Narjes
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In diesen Leserbriefen geht es nicht um eine blinde Verteidigung von
Irrtümern als Wahrheit. Noch geht es darum, zu suggerieren, als könne sich
Carsten Peter Thiede in seinen Thesen und daraus hergeleiteten
Vermutungen niemals irren. Es geht darum, die Öffentlichkeit über unbekannte
Dinge auch hinter den Kulissen zu informieren, die Diskussion zu
versachlichen und von der emotional-antichristlichen Ebene herunterzuholen,
auf die sie durch Professor Rosenbaum und insbesondere durch Rudolf Augsteins
SPIEGEL geraten ist.
Wer Thiedes Buch "Die älteste Evangelienhandschrift?" zur
Hand nimmt, wird sofort feststellen, daß die Negativbemerkungen im SPIEGEL über
seine Argumentationsarbeit für eine Identifizierung von 7Q5 mit Mk 6, 52-53
oder etwa über seine Arbeit mit der Legende "Acta Petri" aus der Luft
gegriffen sind. Die obere Grenze für die Datierung von 7Q5 ergibt sich einfach
aus dem Fundort Qumran VII. Ärgerlich wird es, wenn deutsche Theologen gemäß
des Gesetzes "Es kann nicht sein, was nicht sein darf" emotional überzogen
sauer reagieren und wie beispielsweise Rosenbaum in persönliche Polemik
abrutschen. Die Identifizierungsfrage 7Q5 = Mk 6,52-53 u.a. kann nicht durch
präjudizierende Thesen, sondern nur durch den Buchstabenbestand der Papyri
entschieden werden. Welche Konsequenzen Identifizierungen haben, ist eine
davon deutlich zu unterscheidende Sache. Die weitere Forschung verspricht
spannend zu werden.
Die zu Tage tretende Emotionalität der Kritiker zeigt: Der Name Jesus ist
Dynamit. Aufgrund der Emotionalität, Assoziationsketten und
Verfälschungen, die die SPIEGEL-Berichte enthalten (s.o.), komme ich nun
einfach meinerseits zu der Vermutung, daß DER SPIEGEL "seine These"
durchdrücken will.
Was für ein Verhältnis SPIEGEL-Chef Rudolf Augstein zu Jesus Christus
hat, ist hinlänglich bekannt. Die SPIEGEL-Redaktion möchte ihre
Botschaft verbreiten: "Ihr braucht euch nicht durch die Bibel beunruhigen
lassen, da ist nichts dran. Die Christen, das sind bloß einige
Verrückte von vorgestern. Ihr könnt euch bequem in den Sessel
zurücklehnen und so weitermachen wie bisher." (umso erstaunlicher, weil
DER SPIEGEL wie kaum ein anderes großes Magazin Gefahren und
Mißstände unserer Gesellschaft aufzeigt). Die Art, wie der SPIEGEL
TV-Beitrag vom Pfingstsonntag gemacht ist, unterstreicht diese Vermutung.
Tatsächlich aber ist das Neue Testament entgegen der Vorstellung der breiten
Öffentlichkeit historisch völlig vertrauenswürdig. Jesus ist und
bleibt Sieger, auch im Theologie-Sturm und SPIEGEL-Gewitter unserer Tage.
Er ist ein fester Fels, und bei Ihm gibt es Heil und Heilung für uns. Amen!
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