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Zeit, Wirtschaftlichkeit und Bruttosozialprodukt als neue Götzen
Ein Artikel vom 4. Oktober 1996 (Die Guten WWW-Seiten von Kiel, Torsten Narjes)
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland verschlechtert sich: 4 Millionen
Arbeitslose, 3 Millionen Sozialhilfeempfänger, viele Millionen
Menschen, die mit ca. 2000 DM monatlich netto gerade so über die Runden
kommen (vielfach muß man schon über 1000 DM monatlich für eine kleine
Zweizimmerwohnung bezahlen)... da ist doch klar, daß sich etwas
ändern muß: Die Stunde der schnellen Vorschläge ist da; von
längeren Maschinenlaufzeiten und Öffnungszeiten, von
Sozialhilfekürzungen und Senkung des Spitzensteuersatzes ist die Rede,
und durch die ständige Wiederholung in den Medien tritt ein gewisser Gewöhnungseffekt an diese
Aussagen ein. Wir wollen nur einige Gesichtspunkte der aktuellen Diskussion
herausgreifen, zu denen es von Gottes Wort her unbedingt etwas zu sagen
gibt.
Der Beobachter wird feststellen, daß es eine schleichende, aber
dennoch stattfindende Erosion beim - noch gesetzlichen - Schutz der Sonn-
und Feiertagsruhe gibt. Die Opferung ausgerechnet des Bußtages(!) zur
Finanzierung der Pflegeversicherung hat ein ungutes Zeichen gesetzt.
Natürlich macht es unsere Nation nicht angenehmer vor Gott, wenn wir
einen Feiertag "Bußtag" haben und gleichzeitig Gottes Wort beharrlich
ignorieren. Es wirft aber ein schales Licht auf unsere Nation, wenn aus
wirtschaftlichen Gründen der Bußtag gegen die Interessen der
Pflegebedürftigen ausgespielt wird.
Zuvor hat sich schon ein CDU-Politiker, dessen Namen ich leider vergessen habe,
über die Bedeutung des Sonntags wie folgt geäußert: "Der
Sonntag hat seine frühere soziale Schutzfunktion verloren und ist als
Regelfeiertag daher verzichtbar." Während hier sich ein generelles
In-Frage-Stellen des allgemeinen Feiertags "Sonntag" abzeichnet, stellt Gott
unmittelbar klar: "Du sollst den Feiertag heiligen" (2. Mose 20,8-11).
Unser Herr hat sich etwas dabei gedacht, einen wöchentlichen Feiertag
für alle einzurichten: Der Sonntag (alttestamentlich der Shabbat) soll
ein allgemeiner Ruhetag sein, damit jeder Mensch durch die allgemeine Ruhe
herausgefordert ist, den Herrn zu suchen (3. Mose 23,3). Dem steht das
Bestreben, Sonntagsarbeit aus rein wirtschaftlichen Gründen anzusetzen,
diametral entgegen (ich rede hier nicht vom Dienst in Krankenhäusern,
Feuerwehr, Polizei etc.): Gott will nicht, daß der Sonntag sich in einen
Alltag verwandelt. Die Frage nach ewigem Leben oder ewiger Verlorenheit ist
relevanter als diverse Maschinenlaufzeiten.
Die propagierte Flexibilisierung der Arbeitszeit (die, in gewissen Grenzen
gehalten, auf jeden Fall positive Seiten hat) über einen
größeren Zeitrahmen (sagen wir Montag-Sonntag 06-22 Uhr) wird
dazu führen, daß das Zusammenkommen von Familien erheblich
beeinträchtigt wird (weil man kaum noch zur gleichen Zeit zu Hause ist),
das Leben noch hektischer und unruhiger wird und, weil man gestreßt ist,
noch weniger Zeit hat für andere. Aus wirtschaftlichen Gründen
sollte am besten alles zu jeder Zeit in Bewegung sein. So sieht es aus, wenn
alles auf Gewinnmaximierung abgestellt wird. Der bekannte Evangelist Wilhelm
Busch (1897-1966) erzählte in einem anderen Zusammenhang ( Buchrezension Wilhelm Busch: Jesus unser Schicksal) von einem, der großes Interesse daran hat, daß wir nicht mehr zum (auch
geistlichen) Atemholen kommen:
"Alles ist darauf angelegt, daß wir Zeit sparen - und kein
Mensch hat Zeit. Können Sie sich das erklären? Das ist eine Sache
- ich habe viel darüber nachgedacht -, die man einfach nicht verstehen
kann. Und es gibt ernsthaft nur eine Erklärung - die wollen die
Menschen zwar nicht hören, aber ich weiß keine andere: daß
im Hintergrund einer steht und hetzt! Da gibt es einen, der dafür
sorgt, daß der Mensch keine Zeit hat, der wie der Dompteur im Zirkus
dauernd mit der Peitsche knallt und Menschen in Trab hält! Und genau
das sagt die Bibel: Jawohl, der ist da! Und das ist der Teufel. Jetzt stehen
wir vor der Frage: Gibt's denn einen Teufel? Und da antworte ich Ihnen: Ja,
es gibt einen Teufel! Es gibt eine Obrigkeit der Finsternis."
Der Götzendienst um Zeitausnutzung, Gewinnmaximierung und
Bruttosozialprodukt versklavt Menschen an den Teufel. Jesus sagt dazu: "Was
hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme
doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine
Seele auslöse?" (Matthäus 16,26) - da helfen auch 100 Mrd. DM
nicht, sondern allein Jesu Blut, das auf Golgatha floß. Damit
aber eine Gelegenheit dafür besteht, daß Menschen sich dies
vergegenwärtigen, braucht es Zeit. Eine geschützte Zeit. Danken
wir unserem Gott dafür, daß es noch den Sonntag gibt, und beten
wir darum, daß sich unsere Nation (nicht nur, aber wenigstens) am Sonntag
dem unbequemen, aber heilsamen Wort unseres Herrn aussetzt.
Zum Nachdenken
Der Westteil Deutschlands kann jetzt auf über 40 Jahre Wohlstand und
sozialen Frieden zurückblicken. Aber haben wir dem Herrn Jesus dafür
gedankt? Interessanterweise ist gerade die Wirtschaftswunder-Generation
(40-60 Jahre) diejenige, die dem Evangelium von Jesus Christus am ablehnendsten
gegenübersteht.
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