Kirche muß sich an Recht halten - Schlechte Zeiten für lebensschützende Schwangerschaftsberatung? Cuxhavener Nachrichten, 07.09.1996 "Kirche muß sich an Recht halten" Hannover (Ini). Die niedersächsische SPD-Landesregierung erwartet von der katholischen Kirche, daß sie sich bei der Beratung in Schwangerschaftskonflikten an das geltende Recht hält. Verstöße gegen das Schwangeren- und Familienhilfegesetz würden nicht hingenommen, sagte Frauenministenn Christina Bührmann (SPD) im Landtag. Sie reagierte damit auf die Forderung von Bündnis 90/Die Grünen, sofort die finanzielle Förderung für die Beratungsstellen zu streichen, die von der katholischen Kirche getragen werden. Die Grünen-Abgeordnete Brigitte Pothmer begründete diese Forderung damit, daß die von der katholischen Bischofskonferenz erlassenen Beratungsrichtlinien in mehreren Punkten gegen das Gesetz verstießen. Es dürfe nicht zugelassen werden, daß die Kirche die gesetzlichen Vorschriften aushebele und schwangere Frauen unter Druck setze. Bührmann meinte jedoch, es gebe keine Hinweise von Frauen, die diesen Verdacht bestätigen. Die CDU-Abgeordnete Edda Schliepack bezeichnete die Vorwürfe der Grünen als haltlos. Die bischöflichen Richtlinien stünden im Einklang mit dem Gesetz. Christen sind keine Umstürzler, sondern der Obrigkeit untertan (Röer 13, 1; 1. Petrus 2, 13). Sie beten für die Obrigkeit () und wollen den Herrschenden nicht in negativem Sinne zum Anstoß werden (1. Petrus 2, 15-17). Und doch werden Christen zum Anstoß, weil sie dem Stein des Anstoßes (1. Petrus 2, 8) nachfolgen. Das kann auch zu Konflikten mit Gesetzen führen. Der Gott der Bibel gibt Anweisungen, die im Widerspruch zu Recht und Gesetz vieler Staaten stehen, und hier gilt: "Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen." (Apg 5, 29) Recht und Gesetz werden oftmals unter aufklärerischen Gesichtspunkten aus einer Naturrechtsphilosophie oder dem Rousseau´schen Gesellschaftsvertrag hergeleitet, wobei die Rechnung ohne die sündhafte Natur des gefallenen Menschen gemacht wird. Die Grundlage dieser Philosophie ist ohne Substanz, und eine genügend qualifizierte Mehrheit kann daher alles ändern.